Kalenderblatt
19. Oktober

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Das Kalenderblatt zum 19. Oktober
„Aus der Asche des Morgens“
„Out of the Ashes of Morning“
„De las Cenizas de la Mañana“

Aquarell, Acrylpaste auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm

Wo die Stille zu brennen beginnt

Es ist eine Landschaft, die sich ihrer eigenen Wirklichkeit zu entziehen scheint. Erde, Himmel und Vegetation verlieren ihre vertrauten Grenzen. Farben fließen ineinander, verdichten sich, brechen auf. Ein glühendes Rot beherrscht den Vordergrund, während sich darüber eine lichte, beinahe schwerelose Welt öffnet.

Dazwischen stehen Bäume. Schwarz, karg, eigensinnig. Ihre Äste greifen in den Himmel, als suchten sie etwas, das jenseits des Sichtbaren liegt. Sie wirken verwundet und zugleich erstaunlich lebendig. Vielleicht sind es Überreste einer vergangenen Landschaft. Vielleicht aber auch die ersten Zeichen einer neuen.

Das Bild bewegt sich zwischen Gegensätzen, ohne sie aufzulösen: Glut und Kühle, Schwere und Leichtigkeit, Verletzlichkeit und Widerstand. Nichts erscheint endgültig. Selbst die dunklen Formen tragen Bewegung in sich, während die leuchtenden Flächen eine eigentümliche Unruhe bewahren.

Hier wird Landschaft zum Ausdruck eines inneren Zustands. Nicht als Abbild einer bestimmten Erfahrung, sondern als offener Raum für Erinnerungen, Empfindungen und Assoziationen.

Die Farbe erzählt, was sich mit Worten kaum fassen lässt. Das Rot kann Wärme sein oder Verwundung, Leidenschaft oder Erinnerung. Die schwarzen Bäume können für Verlust stehen, aber ebenso für Beharrlichkeit und Überleben. Und das Licht darüber? Vielleicht kündigt es einen neuen Morgen an. Vielleicht war es die ganze Zeit gegenwärtig.

Gerade diese Ungewissheit verleiht der Malerei ihre Kraft.

Es geht nicht darum, die Dunkelheit zu überwinden oder im Schmerz bereits die Erlösung zu erkennen. Es geht um jenen schwer bestimmbaren Augenblick, in dem etwas Vertrautes seine Gestalt verliert und etwas Unbekanntes spürbar wird.

Das Bild verspricht keinen Neubeginn. Es lässt seine Möglichkeit erahnen.

Und vielleicht liegt genau darin seine stille, eigensinnige Hoffnung: dass selbst dort, wo die Welt aus den Fugen geraten scheint, noch etwas lebendig ist, das sich nicht benennen lässt.

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem neuen Licht, sondern mit einem anderen Blick auf das, was geblieben ist.

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Kalenderblatt
19. Oktober

Morgenstund hat Gold im Mund

Kalenderblatt vom 19. Oktober
„Morgenstund hat Gold im Mund“
„The early bird catches the worm“
„A quien madruga, Dios le ayuda„

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Noch ist nicht entschieden, ob die Nacht bereits vergangen ist oder der Tag erst beginnt.

Über einer zerklüfteten Landschaft aus tiefem Blau und dunklen Schatten erhebt sich eine glühend rote Sonne. Schwer und kraftvoll steht sie am Horizont, als müsse sie sich ihren Platz zwischen Himmel und Erde erst erobern.

Nichts an diesem Morgen ist selbstverständlich.

Die aufgebrochenen Strukturen der Malerei erzählen von Bewegung, von Widerstand und von Kräften, die unter der sichtbaren Oberfläche wirken. Das Blau erscheint wie eine aufgewühlte Meereslandschaft, deren Wellen sich zu Gebirgen auftürmen. Darüber breitet sich ein heller, goldener Raum aus, durchzogen von feinen Spuren, Verletzungen und Erinnerungen.

Und mittendrin dieser rote Kreis.

Er ist mehr als eine Sonne. Er könnte ebenso ein Zeichen des Lebens sein, ein glühender Ursprung, eine innere Kraft, die aus der Tiefe aufsteigt. Vielleicht kündigt er einen Neubeginn an. Vielleicht erinnert er aber auch an etwas, das schon immer vorhanden war und nur darauf wartete, wieder sichtbar zu werden.

Der Titel „Morgenstund hat Gold im Mund“ begegnet uns zunächst als vertrautes Sprichwort. Doch im Zusammenhang mit dem Bild gewinnt er eine andere Bedeutung.

Das Gold dieses Morgens ist kein Versprechen auf Erfolg, kein Lohn für frühes Aufstehen. Es ist vielmehr die Ahnung, dass jeder Anfang etwas Unbekanntes in sich trägt. Dass Licht und Dunkelheit einander nicht ausschließen, sondern gemeinsam jene Spannung erzeugen, aus der Veränderung entstehen kann.

Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis dieses Bildes:

Das Licht besiegt die Dunkelheit nicht. Es steigt aus ihr hervor.

So wird der Sonnenaufgang zu einem Sinnbild innerer Wandlung. Nicht als triumphaler Neubeginn, sondern als stilles, kraftvolles Geschehen, das sich unserer Kontrolle entzieht.

Und vielleicht erkennen wir in diesem roten Sonnenball etwas von uns selbst: die unerschöpfliche Möglichkeit, immer wieder neu zu werden.

Denn jeder Morgen trägt die Erinnerung an die Nacht in sich. Und jeder Aufbruch beginnt lange, bevor wir ihn erkennen.

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