Kalenderblatt
23. August

Kalenderblatt 23. August

Das Kalenderblatt zum 23. August

„Synapsenrausch der Berührung“
„Synaptic Rapture of Divine Caress“
„Éxtasis Sináptico de la Caricia Divina“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Vor einem warmen, ockerfarbenen Grund verdichten sich Linien, Farbflecken und Spuren zu einem vielschichtigen Zentrum. Von dort breiten sie sich in verschiedene Richtungen aus, verzweigen sich, begegnen einander und verlieren sich wieder im offenen Bildraum.

Es ist, als würde eine einzige Berührung eine Kette von Reaktionen auslösen.

Die farbigen Strukturen erinnern an Synapsen, Nervenbahnen oder elektrische Impulse. Sie lassen an jene kaum vorstellbaren Vorgänge denken, die sich in unserem Körper ereignen, wenn wir etwas wahrnehmen, fühlen oder berühren. Ein Reiz entsteht, wird weitergegeben und verwandelt sich.

Doch das Bild zeigt kein anatomisches Nervensystem. Seine Formen bleiben frei und mehrdeutig. Sie können ebenso an Wurzeln, Äste, Wege oder eine unbekannte Landkarte erinnern.

Körper und Landschaft scheinen ineinander überzugehen.

Besonders im Zentrum treffen unterschiedliche Bewegungen und Farben aufeinander. Rot, Orange, Schwarz, Blau und Violett überlagern sich, während einzelne Spuren weit nach außen greifen. Das Auge folgt ihnen, verliert sie und kehrt immer wieder zu jenem Punkt zurück, an dem sich alles zu verdichten scheint.

Ist dies der Augenblick vor der Berührung, während der Berührung oder unmittelbar danach?

Das Bild gibt darauf keine eindeutige Antwort.

Gerade darin liegt die Bedeutung des Titels „Synapsenrausch der Berührung“. Die Synapse bezeichnet jene winzige Stelle, an der ein Signal weitergegeben wird. Doch aus diesem beinahe unsichtbaren Vorgang kann etwas entstehen, das den ganzen Menschen erfasst.

Berührung ist niemals nur Berührung.

Sie kann Nähe bedeuten oder Irritation. Erinnerung oder Begehren. Trost, Überraschung, Verletzlichkeit oder Verbundenheit. Ein kurzer Kontakt kann etwas auslösen, dessen Wirkung weit über den eigentlichen Augenblick hinausreicht.

So lässt sich das Bild auch als eine Kartografie der Resonanz betrachten: als Darstellung jener unsichtbaren Bewegungen, die entstehen, wenn etwas oder jemand uns tatsächlich erreicht.

Der ruhige, fast erdige Hintergrund verstärkt diesen Eindruck. Gegen seine Weite erscheint das farbige Geflecht umso lebendiger, beinahe wie ein plötzlich aufflammendes Ereignis.

Ein Impuls wird zur Bewegung.
Eine Bewegung wird zur Empfindung.
Eine Berührung hinterlässt eine Spur.

Vielleicht zeigt „Synapsenrausch der Berührung“ deshalb weniger, was uns berührt, als vielmehr was in uns geschieht, wenn wir berührt werden.

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Kalenderblatt
22. August

FIREBLUM

Kalenderblatt vom 22. August
„FIREBLUM“

Aquarell, Glitter, Acryl, Acrylpaste auf Bambuspapier ca. 21 x 15 cm

Eine mächtige Blüte erhebt sich aus einer nur angedeuteten Landschaft. Ihr leuchtendes Gelb und Orange breitet sich nahezu über die gesamte Bildmitte aus, während sich im Zentrum Rot, Braun und dunkle Farbtöne zu einem dichten Kern zusammenziehen.

Doch diese Blüte lässt sich nicht eindeutig als botanische Erscheinung lesen.

Sie scheint zugleich Blume, Feuer und leuchtender Körper zu sein.

Das dunkelrote Zentrum wirkt verdichtet und beinahe glühend. Von dort breiten sich Gelb, Orange und rötliche Spuren nach außen aus. Die einzelnen Tupfen und Strukturen lassen an Blütenblätter und Samen denken, zugleich aber auch an Funken, Glut oder kleine Eruptionen.

So entsteht eine eigentümliche Umkehrung: Die Blume wird nicht vom Licht beschienen.

Sie scheint das Licht selbst hervorzubringen.

Dieser intensiven Farb- und Materialkonzentration steht ein überraschend heller, fast transparenter Bildraum gegenüber. Der Himmel bleibt weit und offen. Zarte Spuren von Blau, Grün und Gelb lösen sich im Weiß des Bambuspapiers auf. Am unteren Bildrand erscheint eine Landschaft nur fragmentarisch: ferne blaue Erhebungen, grüne und graue Flächen sowie dunkle vertikale Formen, die an Bäume oder Zypressen erinnern können.

Nichts davon wird vollständig ausgeführt.

Die Landschaft bleibt eine Ahnung. Die Blüte dagegen wird zur körperlichen Präsenz.

Auch ihr Stamm besitzt etwas Ungewöhnliches. Er wächst nicht als klar definierte Pflanzenform aus dem Boden. Grün, Grau und dunkle Linien verdichten sich zu einer beinahe bewegten Struktur. Dadurch verbindet er die flüchtige Landschaft mit dem massiven Blütenkörper darüber.

Erde, Pflanze und Licht gehen ineinander über.

Gerade darin entfaltet der Titel „FIREBLUM“ seine besondere Wirkung. Das erfundene Wort verbindet das englische „Fire“ mit dem deutschen Wortstamm „Blum“. Ebenso verbindet das Bild unterschiedliche Wirklichkeiten, ohne sie vollständig miteinander zu verschmelzen.

Blüte wird Feuer.
Feuer wird Licht.
Licht wird Farbe.
Und Farbe beginnt, Landschaft zu werden.

Der eingesetzte Glitter verstärkt diesen Vorgang auf besondere Weise. Er reflektiert das Licht des realen Raumes und verändert sich mit dem Standort des Betrachters. Ein Teil des Leuchtens befindet sich deshalb nicht dauerhaft im Bild. Er entsteht erst im Augenblick des Betrachtens.

Damit zeigt „FIREBLUM“ nicht einfach eine Blume als Symbol für Transformation.

Das Bild vollzieht die Transformation selbst.

Die Blüte überschreitet ihre eigene Gestalt und wird zu einer Erscheinung zwischen Natur und Abstraktion, zwischen Materie und Licht.

Vielleicht liegt genau darin ihr Feuer:

Sie brennt, ohne zu verbrennen.

 

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