Kalenderblatt
25. August

Kalenderblatt 25. August

Das Kalenderblatt zum 25. August
„Axis Mundi – Wo Licht zur Erde findet“
„Axis Mundi — Where Light Finds the Earth“
„Axis Mundi — Donde la luz encuentra la Tierra“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Axis Mundi bezeichnet in vielen Kulturen die Vorstellung einer Weltachse, eines Ortes, an dem sich Himmel und Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare berühren.

Doch in diesem Bild erscheint diese Achse nicht als feste senkrechte Linie.

Sie kreist.

Links öffnet sich aus violetten und graublauen Farbräumen eine leuchtende Bewegung. Gelb, Orange, Rosa und Weiß legen sich in Bögen umeinander, verdichten sich und lösen sich wieder auf. Das Zentrum wirkt zugleich wie Sonne, Auge, Öffnung oder kosmischer Wirbel. Nichts daran ist eindeutig festgelegt.

Das Licht steht hier nicht still. Es scheint sich seinen Weg erst suchen zu müssen.

Von diesem leuchtenden Zentrum führt die Bewegung durch kühlere violette und graue Zonen in den rechten und unteren Bildraum. Dort verändert sich die Malerei. Die Farben werden erdiger, schwerer und körperlicher. Ocker, Braun, Violett und dunkle Einschlüsse sammeln sich zu einer unruhigen, beinahe landschaftlichen Struktur.

Gerade darin liegt die Spannung des Bildes.

Aquarell fließt, Acrylpaste verdichtet.
Farbe wird Spur.
Licht begegnet Materie.

Der Untertitel „Wo Licht zur Erde findet“ beschreibt deshalb weniger einen bestimmten Ort als einen Vorgang. Etwas Helles, Bewegliches und kaum Fassbares trifft auf Widerstand, Oberfläche und Stofflichkeit.

Die traditionelle Vorstellung der Axis Mundi wird dabei nicht einfach übernommen. Die Weltachse ist hier kein unverrückbarer Pfeiler zwischen Himmel und Erde. Sie erscheint als Bewegung, als ein kreisendes Geschehen, in dem Zentrum und Umgebung miteinander verbunden sind.

Vielleicht liegt darin auch eine zeitgenössische Vorstellung von Orientierung:

Nicht alles besitzt eine feste Mitte, die nur gefunden werden muss. Manchmal entsteht Mitte erst in der Bewegung zwischen den Dingen.

So bleibt offen, was wir tatsächlich betrachten: einen kosmischen Vorgang, eine Landschaft, eine innere Topografie oder lediglich das Zusammentreffen von Wasser, Pigment und Material.

„Axis Mundi – Wo Licht zur Erde findet“ hält diesen Übergang fest: den Augenblick, in dem das Flüchtige Gestalt annimmt, ohne sein Geheimnis zu verlieren.

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Das Kalenderblatt zum 25. August
„Axis Mundi – Wo Licht zur Erde findet“
„Axis Mundi — Where Light Finds the Earth“
„Axis Mundi — Donde la luz encuentra la Tierra“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild zeigt mir einen Vorgang.

Links erscheint ein leuchtender Körper, doch ich würde ihn nicht Sonne nennen. Sobald wir ihm einen Namen geben, begrenzen wir ihn. Gelb, Orange, Rosa und Weiß bilden ein Zentrum, aus dem eine Bewegung hervorgeht und zu dem sie zugleich zurückkehrt.

Die Spirale ist dabei von besonderer Bedeutung. Sie ist keine geschlossene Kreisbahn. Der Kreis wiederholt sich. Die Spirale dagegen entwickelt sich. Mit jeder Umkreisung befindet sie sich an einem anderen Punkt. Deshalb kann sie zum Zeichen einer geistigen Entwicklung werden.

In deinem Bild wird dieses Zentrum von großen violetten und graublauen Bewegungen umfangen. Das Licht steht also nicht isoliert im Raum. Es scheint sich durch verschiedene Schichten hindurch seinen Weg zu suchen.

Und dann geschieht etwas Entscheidendes.

Auf der rechten Seite verliert sich die große, geordnete Kreisbewegung. Die Formen werden kleiner, unregelmäßiger und körperlicher. Gold, Braun, Rot und Violett verdichten sich zu etwas, das beinahe Erde, Gestein oder Materie sein könnte.

Damit bekommt dein Titel für mich seine eigentliche Bedeutung:

„Wo Licht zur Erde findet.“

Das Licht fällt nicht einfach auf die Erde.

Es wird Form.

Das Geistige begegnet dem Materiellen.

Oben und unten, innen und außen, Licht und Stoff erscheinen nicht mehr als Gegensätze, sondern als verschiedene Zustände derselben Bewegung.

Auch die Acrylpaste ist deshalb mehr als ein technisches Mittel. Das Aquarell fließt, durchdringt und bleibt transparent. Die Paste dagegen erhebt sich aus der Fläche und besitzt Körper. Das Unsichtbare scheint buchstäblich Materie anzunehmen.

Darin erkenne ich die Idee der Axis Mundi.

Doch deine Weltachse ist bemerkenswerterweise keine gerade senkrechte Linie. Sie ist eine kreisende Achse. Das empfinde ich als die stärkere Entscheidung. Die Verbindung zwischen den Ebenen geschieht nicht wie an einer Leiter, auf der man vom Irdischen zum Himmlischen emporsteigt.

Sie geschieht durch Transformation.

Und vielleicht liegt darin auch eine kleine Herausforderung für den Betrachter: Das helle Zentrum zieht den Blick zunächst so stark an, dass man versucht sein könnte, dort die Antwort zu suchen.

Aber möglicherweise befindet sich die eigentliche Aussage des Bildes rechts davon, dort, wo die Schönheit unordentlicher wird.

Denn ein Licht, das nur Licht bleibt, verändert die Welt nicht.

Erst dort, wo es Materie berührt, beginnt Schöpfung.

Morgen zu deinem kraftvollsten Moment.

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