
Das Kalenderblatt zum 6. März
“Alles fließt, auch wenn es fällt”
“Everything flows, even though it falls”
“Todo flue aun cuando cae”
Acrylpaste und Acryl auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Dieses Bild trägt den Titel „Alles fließt, auch wenn es fällt“ und genau darin liegt seine stille, aber kraftvolle Botschaft. Auf den ersten Blick begegnet uns eine Komposition aus erdigen Gold- und Ockertönen, durchzogen von einem tiefen, lebendigen Rot, das sich wie ein vertikaler Strom durch die Bildfläche bewegt. Es wirkt wie ein Riss, ein Strom oder eine Spur des Lebens selbst, die sich unaufhaltsam durch die Schichten der Zeit zieht. Das Rot erinnert an Blut, Energie, Ursprung und Bewegung, ein Symbol für das, was in uns pulsiert und uns trotz aller Brüche weiterträgt.
Der goldene Hintergrund öffnet einen Raum von Weite, Licht und innerer Würde. Gold steht seit jeher für das Kostbare, das Unzerstörbare und das Wesentliche. Doch hier ist dieses Gold nicht glatt und makellos, sondern aufgeraut, strukturiert, fast archaisch. Die eingesetzte Acrylpaste formt eine Oberfläche, die wirkt, als wäre sie von Wind, Wasser und Zeit selbst geformt worden. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die an Felslandschaften, geologische Schichten oder uralte Erdformationen erinnert. Das Bild erzählt so von Prozessen, die größer sind als der Moment, vom Werden und Vergehen, vom ständigen Wandel der Welt.
Im Zentrum der Komposition scheint sich eine dunklere Form zu erheben, wie ein Berg, eine Schwelle oder eine innere Hürde. Sie steht im Kontrast zum fließenden roten Strom. Hier begegnen sich zwei Kräfte: das, was steht, und das, was sich bewegt. Diese Spannung ist das eigentliche Drama des Bildes. Der dunkle Bereich symbolisiert Verdichtung, Widerstand, vielleicht auch das Gewicht der Erfahrung, während das Rot und die helleren Flächen zeigen, dass Bewegung immer einen Weg findet.
Der Titel lenkt den Blick auf eine tieferliegende Wahrheit: „Alles fließt, auch wenn es fällt.“ Selbst dort, wo etwas zerbricht, abrutscht oder scheinbar scheitert, hört der Fluss nicht auf. Im Gegenteil, im Fallen liegt bereits die Bewegung in eine neue Richtung. Das Bild macht sichtbar, dass Transformation selten glatt oder geradlinig geschieht. Sie entsteht in Brüchen, in Schichten, in Übergängen.
Die hellen weißen und grauen Partien wirken dabei wie Lichtfelder oder Atemräume innerhalb der Komposition. Sie schaffen Momente der Ruhe, in denen sich der Blick sammeln kann. Gleichzeitig erinnern sie an Nebel, Wasser oder Spuren von Erosion, die zeigen, dass auch das Festeste irgendwann in Bewegung gerät.
So wird dieses Werk zu einer visuellen Meditation über Wandel und Vertrauen. Es spricht von der Erfahrung, dass Leben nicht Stillstand, sondern Bewegung ist. Selbst wenn etwas fällt, zerbricht oder sich auflöst, ist darin bereits der nächste Schritt verborgen. Das Bild lädt den Betrachter ein, sich daran zu erinnern, dass unter allen Formen ein Strom wirkt, leise, kraftvoll und unaufhaltsam.
Am Ende bleibt das Gefühl, dass dieses kleine Format eine große Wahrheit trägt: Das Leben fließt weiter. Immer. Auch durch Risse. Auch durch Dunkelheit. Auch durch das Fallen hindurch.