
Kalenderblatt vom 5. März
“Es ist ein langer langer Weg …”
“It’s a long long way …”
“Está un camino largo, largo …”
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Schon der Titel dieses Werkes öffnet einen inneren Raum, in dem sich Betrachtende unmittelbar wiederfinden können. Das Bild wirkt wie eine visuelle Metapher für den menschlichen Lebensweg: eine Straße, die sich durch ein glühendes, beinahe eruptives Feld aus Farbe und Energie zieht, ohne klaren Anfang und ohne sichtbares Ende.
Die Komposition wird von einem leuchtenden Strom aus Gelb-, Orange- und Rotnuancen getragen, der an Landschaften aus Licht, Hitze und Transformation erinnert. Diese Farben wirken nicht ruhig oder dekorativ – sie pulsieren. Sie scheinen zu brodeln, als würde sich unter der Oberfläche etwas wandeln. Der Weg, der sich durch dieses farbintensive Terrain zieht, erscheint dadurch nicht nur als Strecke im Raum, sondern als Prozess innerer Entwicklung.
Die dunklen, fragmentierten Markierungen der Straße – fast wie aufgebrochene Leitlinien – wirken bewusst unregelmäßig. Sie geben Orientierung, aber keine Sicherheit. Der Weg ist markiert, doch er bleibt offen, rau und unvollständig. Genau darin liegt seine Wahrheit: Lebenswege sind selten glatt oder eindeutig. Sie bestehen aus Etappen, aus Unterbrechungen, aus Momenten, in denen man nur den nächsten Schritt erkennt, nicht das Ziel.
Besonders eindrucksvoll ist der Übergang im oberen Bildbereich. Dort scheint der Weg in eine kühlere, grau-bläuliche Zone zu führen. Hier öffnet sich eine Art Horizont des Ungewissen, eine Schwelle zwischen dem brennenden Erfahrungsfeld des Lebens und einer stilleren, vielleicht reflektierenden Ebene. Es wirkt fast so, als würde der Weg aus dem Feuer der Erfahrung in eine neue Bewusstseinslandschaft führen.
Die Materialität – Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten – verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Die Struktur ist nicht glatt, sondern körperhaft und erdig. Man spürt förmlich die Spuren des Entstehungsprozesses. Das Bild wurde nicht nur gemalt, es wurde aufgebaut, geschichtet, durchlebt. Dadurch entsteht eine unmittelbare Präsenz, die den Betrachtenden nicht distanziert beobachten lässt, sondern in die Bewegung hineinzieht.
So wird dieses Werk zu mehr als einer abstrakten Landschaft. Es wird zu einem Spiegel der menschlichen Existenz. Der lange Weg steht für Entwicklung, für Suche, für die Bereitschaft, durch intensive Erfahrungen hindurchzugehen. Die leuchtenden Farben erzählen von Leidenschaft, Mut und innerem Feuer. Die dunklen Wegmarken erinnern daran, dass Orientierung oft nur fragmentarisch ist.
Am Ende bleibt eine stille Einladung: Weiterzugehen. Schritt für Schritt. Auch dann, wenn der Weg heiß, unruhig oder unübersichtlich erscheint. Denn gerade durch diese Landschaften entsteht Wachstum und vielleicht, irgendwo hinter dem sichtbaren Horizont, ein neues Verständnis des eigenen Weges.