
Kalenderblatt vom 3. März
“Dunstiger Weltenhimmel am Dienstagnachmittag”
“Hazy sky of worlds in the Tuesday afternoon”
“Brumoso cielo del mundos martes en la tarde”
Quarzsand, Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Das Bild ist ein atmosphärischer Zustand. Eine Verdichtung von Zeit, Licht und innerer Bewegung. Auf dem zarten Grund des Aquarellbüttens entfaltet sich ein Kosmos, der zugleich elementar und entrückt wirkt. Quarzsand, Acryl und Acrylpaste verbinden sich zu einer vibrierenden Oberfläche, die nicht nur Farbe trägt, sondern Energie speichert.
Das warme, erdige Rot links im Bild glüht wie ein fernes Erinnerungsfragment, archaisch, beinahe planetar. Es steht im spannungsvollen Dialog mit den leuchtenden Gelbtönen, die sich wie Sonnenwinde über die Komposition legen. Dieses Gelb ist kein sanftes Licht; es ist ein eruptives Strahlen, ein Aufbrechen, ein Übergang. Dazwischen breiten sich intensive Blauräume aus, kühl, tief, schwerelos. Sie erinnern an Wolkenformationen, an Ozeane aus Dunst, an das Schweben zwischen Materie und Traum.
Gerade durch die Beimischung von Quarzsand entsteht eine taktile Dimension, die das Flüchtige des Himmels erdet. Hier wird Atmosphäre greifbar. Die Oberfläche lebt von Brüchen, Verdichtungen und offenen Stellen, ein Wechselspiel von Transparenz und Impuls. Nichts ist statisch, alles scheint in Bewegung, als würde der Himmel selbst atmen.
Der Titel verankert das Kosmische im Alltäglichen: ein Dienstagnachmittag. Ein gewöhnlicher Moment, der sich plötzlich in Weite verwandelt. Das Werk lädt dazu ein, genau diesen Perspektivwechsel zu vollziehen, das Banale als Bühne des Unendlichen zu begreifen. Es ist ein Bild über Übergänge, über das Schweben zwischen Struktur und Auflösung, zwischen Erdenschwere und Lichtdurchbruch.
In seiner kompakten Größe von 15 x 21 cm bleibt das Werk physisch zurückhaltend, beinahe wie eine persönliche Notiz, ein Fragment eines größeren Gedankens. Und doch entfaltet es eine innere Dimension, die jede materielle Begrenzung sprengt. Es arbeitet nicht mit Monumentalität, sondern mit Verdichtung. Der Blick wird nicht überwältigt, sondern hineingezogen. Gerade darin liegt seine Kraft.
Das „Laut“ dieses Bildes zeigt sich in den leuchtenden Gelb- und Rotimpulsen, in den eruptiven Setzungen, in den kraftvollen Kontrasten, in der entschiedenen Materialität von Quarzsand und Acrylpaste. Diese Partien sprechen unmittelbar. Sie sind energetisch, präsent, beinahe kosmisch-expressiv.
Das „Leise“ hingegen offenbart sich in den Übergängen: in den verwischten Blauflächen, in den atmenden Weißräumen, im Dunst selbst. Dort, wo Farbe ausläuft, wo Konturen sich auflösen, entsteht eine Stille, die nicht leer ist, sondern gespannt. Es ist die Stille zwischen zwei Atemzügen. Zwischen Verdichtung und Weite.
So entsteht ein Werk, das nicht schreit und nicht flüstert, sondern beides zugleich ist. Ein Bild, das mit Impulsen spricht und mit Zwischenräumen wirkt. Wer sich darauf einlässt, erkennt: Der dunstige Weltenhimmel liegt nicht über uns, sondern in uns, als Bewegung zwischen Intensität und Innehalten, zwischen kosmischem Aufbruch und stiller Selbstvergewisserung.