
Kalenderrblatt zum 24. März
“Teepause mit Grüntee”
“Tea Break with Green Tea”
“Pausa para el té con té Verde”
Monotypie, Acryl und Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Es war ein stiller Nachmittag, jener seltene Moment zwischen zwei Atemzügen des Tages, in dem selbst die Zeit innehält. In einem kleinen Raum, dessen Fenster nur halb geöffnet war, saß eine Frau an einem niedrigen Tisch. Vor ihr dampfte eine schlichte Tasse, Grüntee, klar und leuchtend wie ein Versprechen.
Die Welt draußen war unruhig gewesen, voll von Stimmen, Forderungen und flüchtigen Begegnungen. Doch hier, in diesem Raum, begann sich etwas anderes auszubreiten. Eine leise, farbige Stille, die nicht leer war, sondern erfüllt, wie das Bild vor ihr.
Die Farben schienen nicht einfach auf dem Papier zu liegen. Sie bewegten sich. Ein flirrendes Gold, das wie Erinnerung schmeckte, violette Spuren, die von vergangenen Gedanken erzählten, und ein sanftes Grün, das sich wie Hoffnung durch alles zog. Es war, als hätte jemand die unsichtbaren Schichten eines Tages sichtbar gemacht, nicht geordnet, nicht erklärbar, aber wahr.
Die Frau hob die Tasse an ihre Lippen. Der erste Schluck war warm, fast bitter, doch dann öffnete sich ein feiner, grasiger Geschmack. Ein Moment von Klarheit, der sich in ihr ausbreitete wie das Grün im Bild.
Sie erinnerte sich plötzlich an etwas, das sie längst vergessen hatte, nicht als konkretes Bild, sondern als Gefühl. Ein Sommermorgen, Tau auf der Haut, das Versprechen von Möglichkeiten, noch bevor Entscheidungen alles einengten. Dieses Gefühl war nicht verloren gewesen. Es hatte nur gewartet.
Mit jedem Schluck Tee schien das Bild lebendiger zu werden. Die Farben begannen zu flüstern. Nicht in Worten, sondern in Empfindungen. „Du musst nichts ordnen,“ sagten sie. „Du darfst einfach sein.“
Die Frau atmete tiefer. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie keinen Drang, etwas festzuhalten oder zu verstehen. Stattdessen ließ sie los. Die Gedanken, die Erwartungen, die leisen Zweifel, die sich so oft zwischen sie und den Moment stellten.
Der Raum wurde weiter. Oder vielleicht wurde sie es.
Die Tasse war inzwischen fast leer, doch der Tee wirkte noch nach, nicht im Körper, sondern irgendwo darunter. Wie eine Erinnerung daran, dass Einfachheit eine Form von Wahrheit ist.
Sie betrachtete das Bild ein letztes Mal. Jetzt war es nicht mehr nur ein Zusammenspiel von Farben. Es war ein Ort geworden. Ein innerer Garten, chaotisch und doch vollkommen, in dem nichts falsch war und alles seinen Platz hatte.
Als sie aufstand, blieb die Stille nicht zurück. Sie nahm sie mit.
Und irgendwo, tief in ihr, wusste sie: Diese Teepause war kein Zwischenmoment gewesen, sondern der eigentliche Anfang.