
Kalenderblatt vom 23. Februar
‘”Da ist eine neue Kraftlinienstruktur im 7. Quadranten”
“There is a new force line structure in the 7th quadrant”
“Esta una nueva línea estructura de fuerza en el séptimo cuadrante”
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Dieses Werk ist keine bloße Oberfläche aus Acryl und Paste, es ist eine tektonische Verschiebung im Innersten der Wahrnehmung. „Da ist eine neue Kraftlinienstruktur im 7. Quadranten“ klingt wie ein Befund aus einer anderen Dimension und genau dort setzt dieses Bild an: Es kartografiert unsichtbare Energien, die nicht im Raum, sondern im Bewusstsein verlaufen.
Die dominante Rotstruktur wirkt wie eine freigelegte Erdschicht, roh, archaisch, kompromisslos. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Hier wurde nicht einfach Farbe aufgetragen. Hier wurde gerungen, geschichtet, aufgebrochen und wieder verdichtet. Die Acrylpaste bildet Reliefs, Brüche, Erhebungen, wie Narben eines schöpferischen Prozesses. Jede Linie scheint eine Spur von Widerstand zu tragen. Jede Verdichtung erzählt von Druck, von Transformation.
Und dann: diese vertikale Spur. Eine Linie, die sich klar absetzt, fast wie eine Messmarke, ein Seismograf im Feld der Emotion. Sie ist Orientierungspunkt und Störung zugleich. Inmitten des organischen, fast eruptiven Gefüges steht sie wie ein Indikator für eine Neuordnung, als würde im „7. Quadranten“ ein bisher unbekanntes Kraftfeld aktiviert.
Der Begriff „Quadrant“ verweist auf Systematik, auf Vermessung, auf Koordinaten. Doch dieses Bild entzieht sich jeder rein rationalen Lesart. Es spricht von inneren Landkarten, von Bereichen unseres Seins, die wir selten betreten. Der siebte Quadrant, jenseits des Gewohnten, ist ein symbolischer Raum: ein Ort, an dem alte Strukturen aufbrechen und sich neue Energielinien formieren.
Die monochrome Tiefe des Rottons verstärkt diese Wirkung. Rot, als Farbe des Blutes, der Erde, der Vitalität, steht hier nicht für Aggression, sondern für ursprüngliche Lebenskraft. Es ist ein pulsierendes Feld, das unter der Oberfläche arbeitet. Das Bild wirkt still und gleichzeitig in permanenter Bewegung.
Was dieses Werk so kraftvoll macht, ist seine Ambivalenz: Es ist zugleich Wand und Durchgang, Oberfläche und Abgrund, Begrenzung und Öffnung. Es fordert den Betrachter nicht auf, zu verstehen, sondern zu spüren. Die Struktur wird zur Resonanzfläche. Wer sich darauf einlässt, entdeckt vielleicht eigene Kraftlinien, eigene Bruchstellen, eigene neu entstehende Quadranten im Inneren.
Dieses Bild ist kein dekoratives Objekt. Es ist ein energetisches Statement. Ein visuelles Protokoll eines Wandels. Und vielleicht die Einladung, den eigenen siebten Quadranten zu betreten, dort, wo neue Kräfte beginnen, sich zu organisieren.