
Kalenderblatt vom 22. März
“Die Sonne schmiegt sich an die Reisfelder, diese verdorren in ihrer lieblich-atomaren Strahlung”
“The sun nestles to the paddy fields, these wither in their lovely nuclear radiation”
“El sol se ajusta a los arrozales, estos se desecan en sus radiación nuclear agradable”
Tusche auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm
Dieses Bild ist ein vibrierendes Spannungsfeld zwischen Nähe und Zerstörung, zwischen Hingabe und Überforderung. Die Sonne erscheint hier nicht als ferne, lebensspendende Instanz, sondern als körperlich präsentes Gegenüber, als ein glühender, fast greifbarer Organismus. Ihr sattes Rot pulsiert wie ein Herz, das zu nah gekommen ist, zu intensiv, zu direkt, zu unausweichlich.
Die gelben Strahlen sind keine sanften Lichtbahnen, sondern wirken wie tastende, beinahe fordernde Bewegungen. Sie greifen in die Struktur der Reisfelder hinein, durchdringen sie, durchziehen sie mit einer Energie, die gleichzeitig nährt und erschöpft. Es ist ein Licht, das nicht nur beleuchtet, sondern transformiert, vielleicht sogar verzehrt. In dieser Geste liegt eine stille Dramatik: Das Leben wird berührt und im selben Moment an seine Grenze geführt.
Die dunklen, rhythmischen Formen der Reisfelder stehen dem entgegen wie ein kollektives Atmen der Erde. Sie wirken organisiert, wiederholend, fast meditativ und doch beginnen sie unter der Intensität der Sonne zu kippen. Die Ordnung wird porös, die Stabilität brüchig. Was eben noch Wachstum war, scheint sich in Auflösung zu verwandeln. Hier entsteht ein subtiler Dialog zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.
Der Ausdruck „lieblich-atomare Strahlung“ findet in der Bildsprache seine eindringliche Entsprechung. Es ist eine Schönheit, die nicht unschuldig ist. Eine Zärtlichkeit, die eine zerstörerische Kraft in sich trägt. Das Bild konfrontiert uns mit einer Wahrheit, die oft übersehen wird: Dass das, was uns nährt, uns auch überfordern kann. Dass Intensität immer ein Risiko birgt.
Und genau darin liegt die Kraft dieser Arbeit: Sie zwingt nicht zur Interpretation, sondern zur Erfahrung. Der Betrachter wird hineingezogen in ein Feld aus Ambivalenz, zwischen Anziehung und Unbehagen, zwischen Licht und Übermaß. Es ist ein Bild, das nicht erklärt, sondern spürbar macht, wie nah Schönheit und Zerfall beieinander liegen.