
Kalenderblatt vom 21. Januar
“Der Eisenschink Code”
“The Eisenschink Code”
“El Eisenschink Código”
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
„Der Eisenschink Code“ wirkt auf den ersten Blick wie ein radikal reduziertes Zeichenfeld und genau darin liegt seine Sogkraft: Dieses Bild will nicht „erzählen“, es will entschlüsselt werden. Die leuchtend gelbe Fläche öffnet sich wie ein Warnsignal und gleichzeitig wie eine Verheißung. Gelb ist hier nicht dekorativ, sondern elementar: ein vibrierendes Feld aus Energie, Alarm, Intuition und geistiger Wachheit. Es ist die Bühne, auf der jede Form zur Aussage wird und jede Aussage zur Frage.
Im Zentrum liegt diese dunkelblaue, organische Masse, kein klar umrissenes Objekt, sondern eine Präsenz. Sie wirkt wie ein Gewicht, das sich nicht rechtfertigt, weil es einfach da ist. Ein Kern. Ein Speicher. Eine Verdichtung. Die Form scheint zugleich zu ruhen und zu kippen, als hätte sie gerade erst entschieden, in dieser Realität sichtbar zu werden. Sie erinnert an ein Fragment aus einer fremden Sprache, an einen Körper ohne Anatomie, an ein verschlüsseltes Zeichen, das man nicht mit dem Kopf, sondern nur mit dem inneren Sensorium lesen kann. Und genau dort beginnt der „Code“: Nicht als technisches System, sondern als innerer Zugriffsschlüssel.
Links oben steht ein kupferrot schimmerndes Quadrat, wie eine eingelassene Probe, ein Artefakt, ein Fundstück. Es hat etwas Archaisches, als sei es aus einer anderen Schicht Zeit herausgeschnitten. Quadrat bedeutet Ordnung, Fixierung, Struktur – aber hier glüht es, als trüge es Erinnerung in sich. Es ist das Symbol des Kontrollierbaren, des Messbaren und doch wirkt es nicht kühl, sondern wie eine warme Signatur, wie der Stempel einer Herkunft.
Daneben, im oberen Bildraum, ziehen sich zwei horizontale schwarze Balken: nicht sauber, nicht glatt, sondern voller Textur. Sie erinnern an Scanlinien, Sperrbalken, codierte Streifen, Zensurspuren oder die Markierungen eines Systems, das Informationen sortiert, schützt, versteckt. Als hätte jemand gesagt: „Hier ist etwas Wichtiges – aber nicht alles ist sofort zugänglich.“
Und dann diese beiden roten Formen links und rechts: wie Tropfen, wie Siegel, wie pulsierende Marker. Rot ist hier der menschliche Faktor. Das Blut im System. Das Unberechenbare. Sie stehen wie Wächter am Rand des Zentralen, als würden sie das Innere umkreisen oder absichern. Ihre Position ist nicht zufällig: Sie bilden eine Art Spannungsachse, eine stille Symmetrie, die das Bild stabilisiert und gleichzeitig emotional auflädt. Es ist, als würde das Werk flüstern: Du kannst den Code nicht knacken, ohne dich selbst einzusetzen.
„Der Eisenschink Code“ hat diese seltene Qualität, zugleich grafisch klar und psychologisch offen zu sein. Es spielt mit der Ästhetik von Zeichen, Raster, Markierungen und entzieht sich im selben Moment jeder eindeutigen Übersetzung. Dadurch entsteht ein Raum, in dem der Betrachter unwillkürlich in den Modus des Suchens gerät: Was ist Signal, was ist Störung? Was ist Botschaft, was ist nur Oberfläche? Genau hier trifft das Werk einen Nerv unserer Zeit: Wir leben in einer Welt voller Daten, voller Codes, voller Systeme und doch bleibt das Wesentliche oft nur als Gefühl spürbar. Dieses Bild ist keine Antwort. Es ist ein Zugriff.
Und vielleicht ist das der eigentliche Coup: Trotz aller Strenge wirkt das Werk nicht kalt. Das Gelb lebt. Die Textur atmet. Die Acrylpaste hinterlässt Spuren wie kleine Erdverschiebungen. Das Material sagt: Hier ist etwas gemacht worden, nicht nur gestaltet. Das Bild ist nicht bloß Komposition, es ist Handlung. Eine Setzung. Eine Behauptung. Der „Eisenschink Code“ ist damit weniger ein Rätsel als eine Einladung: Wer bereit ist, hinter die Formen zu hören, findet nicht eine Bedeutung, sondern eine Resonanz.
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https://www.juanlobo.info/widerrufsbelehrung/).
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