
Das Kalenderblatt zum 2. April
“Guten Morgen Wolke 8”
“Good Morning Cloud 8”
“Bueñas días Nube 8”
Aquarell auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Es war einmal einruhiger Morgen, an dem die Welt noch nicht ganz entschieden hatte, ob sie erwachen oder weiter träumen wollte. Der Himmel lag wie ein zartes Versprechen aus Rosa und Gold über dem Horizont, und das Meer darunter hielt den Atem an, als lausche es einer Geschichte, die gleich beginnen würde.
In diesem Zwischenreich lebte eine Wolke, die man nur „Wolke 8“ nannte. Sie war keine gewöhnliche Wolke. Während andere kamen und gingen, sich auflösten oder zu Regen wurden, trug sie ein Geheimnis in sich: Sie konnte Träume bewahren.
Jede Nacht, wenn die Menschen schliefen, stiegen ihre leisesten Hoffnungen, ihre unerzählten Wünsche und ihre vergessenen Sehnsüchte hinauf in den Himmel. Die meisten davon verloren sich im Wind. Doch Wolke 8 fing sie auf, vorsichtig, liebevoll, als wären sie zerbrechliche Lichter.
An diesem besonderen Morgen aber war etwas anders.
Die Sonne begann, den Horizont zu küssen, und ein goldenes Leuchten durchzog die Welt, während Wolke 8 schwerer wurde als je zuvor. So viele Träume hatte sie gesammelt, dass sie sich fragte, ob sie sie überhaupt noch tragen konnte.
„Was, wenn ich sie loslassen muss?“, flüsterte sie in die Weite.
Da antwortete das Meer,,# tief, ruhig und unendlich:
„Träume sind nicht dafür da, für immer festgehalten zu werden. Sie wollen berührt, gelebt und weitergegeben werden.“
Wolke 8 zögerte. Sie hatte Angst, dass die Träume verloren gehen könnten. Doch dann spürte sie, wie die ersten Sonnenstrahlen sie durchdrangen, warm, sanft und voller Vertrauen.
Und so begann sie, sich zu öffnen.
Nicht als Regen, nicht als Sturm, sondern als feiner, unsichtbarer Schleier aus Möglichkeiten. Die Träume sanken hinab, berührten das Meer, den Himmel, die Erde… und fanden ihren Weg zurück zu den Menschen.
Ein Mann erwachte plötzlich mit einer Idee, die sein Leben veränderte.
Eine Frau spürte ein längst vergessenes Glück in ihrem Herzen aufblühen.
Ein Kind begann zu lachen, ohne zu wissen warum.
Und irgendwo, ganz still, wurde ein neuer Anfang geboren.
Wolke 8 wurde leichter, nicht leer, sondern erfüllt. Denn sie verstand nun:
Was sie losließ, kehrte in verwandelter Form zurück.
Als die Sonne schließlich vollständig aufgegangen war, schwebte sie ruhig über dem Horizont und lächelte, soweit eine Wolke lächeln kann.
Und seit diesem Morgen erzählt man sich, dass jedes Mal, wenn der Himmel in sanftem Rosa und warmem Gold leuchtet, Wolke 8 wieder unterwegs ist,um uns daran zu erinnern, dass unsere Träume nie verloren gehen… sondern nur darauf warten, von uns empfangen zu werden.