Kalenderblatt
19. September

Tag, was willst du von mir?

Kalenderblatt zum 19. September
“Tag, was willst du von mir?”

“O day, what do you want from me?”
“O día, que quieres de mí?”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Schon der Titel klingt wie eine leise Provokation, ein Zwiegespräch mit dem Leben selbst. Dieses Bild trägt eine Spannung zwischen Stille und Aufbruch, zwischen der rauen Tiefe des Hintergrunds und den klaren, fast schneidenden Linien, die wie Gedankenblitze den Raum durchkreuzen.

Der erdige, strukturierte Grundton wirkt archaisch, wie eine Landschaft nach einem Sturm, voller Spuren, Narben und Geheimnisse. Er verströmt eine Atmosphäre von Ruhe und Melancholie, doch niemals von Stillstand, eher wie ein Atemholen, bevor etwas Neues geschieht. Dagegen stehen die Linien: streng, reduziert, kompromisslos. Schwarz wie ein Grenzpfosten, Weiß wie ein Horizont, Gelb wie ein Strahl Hoffnung, Rot wie eine ungeduldige Frage. Sie treffen sich, sie widersprechen sich, sie suchen ihre Ordnung.

Hier beginnt die Geschichte des Bildes: Der Tag tritt uns entgegen wie ein Gesprächspartner, der uns prüft. „Was machst du aus mir? Verlierst du dich in Routine oder setzt du einen klaren Akzent?“ Jede Linie wird zur Entscheidung, jeder Farbkontrast zu einer möglichen Antwort. So öffnet das Werk nicht nur den Raum der Betrachtung, sondern auch den Raum der Selbstreflexion.

Die Symbolik ist vielschichtig: spirituell kann es als Dialog zwischen Mensch und Kosmos gelesen werden, emotional als Spiegel unserer inneren Zerrissenheit, sozial als Frage nach Orientierung in einer chaotischen Welt. Politisch gar als Statement über Systeme, die sich kreuzen, blockieren oder neue Wege eröffnen. Das Bild fordert den Betrachter auf, es bleibt nicht still, es fragt, es drängt, es will eine Antwort.

Und genau darin liegt seine Originalität: Reduziert in Form und Farbe, aber grenzenlos in den Deutungen. Es erinnert an vertraute Sprache der Moderne, doch trägt es einen eigenen, unverwechselbaren Ton, rau, unmittelbar, ehrlich.

Dieses Werk ist kein dekoratives Bild. Es ist ein Tor. Wer es in seinen Raum holt, holt sich die tägliche Frage: „Was willst du aus deinem Tag machen?“  und zugleich die Kraft, jeden Tag neu zu beantworten.

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