Kalenderblatt
19. Februar

Samstag Nachmittag, kurz vor der Teilung des Roten Meeres

Kalenderblatt vom 19. Februar
“Samstag Nachmittag, kurz vor der Teilung des Roten Meeres”
“Saturday afternoon shortly before the splitting of the Red Sea”
“Sábado por la tarde poco antes de la división del Mar Rojo”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Dieses Bild zeigt keine Ruhe, sondern einen Zustand höchster innerer Spannung, den Augenblick, in dem sich eine unsichtbare Entscheidung vorbereitet und die Wirklichkeit selbst kurz innehält, um sich neu zu ordnen. Nichts in dieser Komposition wirkt abgeschlossen oder beruhigt. Stattdessen durchzieht sie eine spürbare Verdichtung von Energie, als würde sich eine Kraft sammeln, die im nächsten Moment alles verändern kann. Der obere Bereich lodert in glühenden Gelb-, Gold- und Feuerfarben, als hätte sich der Himmel geöffnet und würde seine ganze schöpferische Intensität freisetzen. Diese Zone erscheint nicht als friedlicher Himmel, sondern als Raum reiner Möglichkeit, als ein Feld, in dem Transformation nicht nur denkbar, sondern unmittelbar bevorstehend ist.

Darunter ruht das violette Band, dichter, schwerer, geerdeter. Es trägt die Qualität des Materiellen, des Erfahrbaren, des noch Unverwandelten. Dieses Violett ist kein passiver Untergrund, sondern ein Gegenpol, ein Widerstand, eine Substanz, die bereit ist, durchbrochen zu werden. Es ist das Meer vor seiner Öffnung, die Realität vor ihrem Wendepunkt. Und genau zwischen diesen beiden Sphären erhebt sich die senkrechte Linie, schmal und doch von unerschütterlicher Präsenz. Sie ist die Achse der Transformation, die Markierung eines Übergangs, an dem sich das Unsichtbare im Sichtbaren ankündigt. Sie steht für den Moment, in dem sich zwei Zustände voneinander lösen, das Alte vom Neuen, die Begrenzung von der Freiheit.

Die Strukturen im goldenen Bereich wirken wie aufsteigende Kräfte, wie Impulse einer unsichtbaren Ordnung, die sich ihren Weg bahnt. Alles scheint in Erwartung, in Sammlung, in Vorbereitung. Dieses Bild zeigt nicht die spektakuläre Handlung selbst, sondern den heiligen Vorzustand, den Sekundenbruchteil, in dem sich das Wunder innerlich bereits vollzogen hat, bevor es äußerlich sichtbar wird. Genau darin liegt seine eigentliche Kraft: Es macht den Betrachter zum Zeugen eines Schwellenmoments, eines existenziellen Übergangs, in dem sich ein neuer Weg formt, lange bevor er betreten wird.

So wird dieses Werk zu einer tiefen Metapher für jene Augenblicke im Leben, in denen sich Veränderung ankündigt, noch unsichtbar, aber unausweichlich. Es erinnert uns daran, dass jedes Wunder mit einer Verdichtung von Gegenwart beginnt, mit einem Moment, in dem sich alle Kräfte sammeln und die Wirklichkeit bereit wird, sich neu zu offenbaren. Dieses Bild ist die Geburtsstunde des Übergangs selbst, der Punkt, an dem das Unmögliche beginnt, Gestalt anzunehmen.

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