
Kalenderblatt vom 16. März
“Ist da draußen jemand?”
“Is anybody out there?”
“Esta alguien fuera?”
Acryl, Quarzsand, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Das Bild „Ist da draußen jemand?“ wirkt wie ein visueller Ruf in den Raum zwischen Innenwelt und Universum. Schon beim ersten Blick entfaltet sich eine Atmosphäre von glühender Intensität: leuchtende Gelb- und Orangetöne breiten sich wie ein kosmisches Feuer aus, während tiefere Rotnuancen und dunkle Einschlüsse die Komposition erden. Diese Farbexplosion erinnert an eine Sonne im Moment ihrer Geburt oder an einen inneren Stern, der sich im Bewusstsein entzündet.
Die Oberfläche ist nicht glatt und distanziert, sondern lebendig und körperlich. Durch Quarzsand, Acrylpaste und Glitter entsteht eine fühlbare Topografie, die das Bild beinahe zu einer Landschaft macht. Es ist, als würde man nicht nur schauen, sondern durch eine energetische Oberfläche wandern, in der Lichtpartikel aufleuchten und sich wieder im Farbfluss verlieren. Diese Struktur verstärkt den Eindruck, dass hier etwas im Entstehen begriffen ist, eine Botschaft, ein Signal, ein Ruf.
Im Zentrum der Komposition geschieht etwas Geheimnisvolles. Blau-violette Formen sammeln sich wie eine Verdichtung von Bewusstsein, fast wie eine Gestalt, die sich aus dem Farbnebel herausbildet. Diese Zone wirkt kühler und konzentrierter als die umgebende Glut, ein stiller Pol im Sturm der Farben. Hier scheint das Fragen selbst zu wohnen: Wer sendet das Signal? Wer hört es?
Der Titel „Ist da draußen jemand?“ verleiht der Bildwelt eine existentielle Dimension. Die Frage wirkt zugleich kosmisch und zutiefst menschlich. Sie erinnert an den uralten Impuls des Bewusstseins, nach Resonanz zu suchen, nach einem Gegenüber im unendlichen Raum. Doch das Bild lässt offen, ob sich die Frage nach außen richtet oder nach innen. Vielleicht ist das „Draußen“ in Wahrheit eine innere Weite, ein unerforschter Teil der eigenen Seele.
Die glühenden Farbflächen könnten daher auch als Expansion eines inneren Universums gelesen werden. Sie wirken wie Energiewellen, die sich ausbreiten, als hätte jemand ein Signal ausgesendet, einen Gedanken, ein Gefühl, eine Sehnsucht. Und mitten in diesem vibrierenden Raum steht die leise, fast fragile Frage: Gibt es Antwort? Gibt es Verbindung?
Gerade diese Offenheit macht die Kraft des Bildes aus. Es gibt keine eindeutige Figur, keine erzählerische Szene. Stattdessen entsteht ein Raum für Projektion und Resonanz. Jeder Betrachter wird unweigerlich Teil des Geschehens, weil die Frage des Bildes sich unmerklich auf ihn überträgt. Plötzlich steht man selbst im Zentrum der Komposition und spürt: Die eigentliche Antwort entsteht im eigenen Inneren.
So wird „Ist da draußen jemand?“ zu mehr als einem Bild. Es ist ein visuelles Signalfeuer des Bewusstseins, eine Einladung, in die Weite der Wahrnehmung hinauszurufen und gleichzeitig die Echo-räume der eigenen Seele zu erkunden. In seiner leuchtenden Intensität erinnert es daran, dass jede Suche nach Verbindung zugleich eine Suche nach dem eigenen Ursprung ist.