
Kalenderblatt vom 14. März
“Narrenhände beschmieren Tisch und Wände … und manchmal auch Aquarellpapier”
“Fool’s hands daub table and walls … and sometimes water colour paper, too”
“Las manos d’un loco embadunan mesa y hormazas … y a veces papel acuarela también”
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
In vielen alten Mythen beginnt die Welt nicht mit Ordnung, sondern mit einem göttlichen Spiel.
Bevor die Sterne am Himmel standen und bevor die Erde ihre Form fand, gab es nur ein glühendes Feld aus Energie, ein brodelndes Meer aus Feuer und Licht. Dieses Urfeld war weder schön noch geordnet. Es war wild, überschäumend, voller Linien, Strömungen und Bewegungen.
Die Weisen der alten Zeit sagten:
Am Anfang der Welt stand der Narr.
Nicht der Narr als törichter Mensch, sondern der kosmische Narr , jene archetypische Gestalt, die keine Regeln kennt, weil sie noch vor allen Regeln existiert.
Der Narr greift in das Feuer der Möglichkeiten.
Mit ungestümen Händen zieht er Linien durch das Chaos, wirbelt Energien durcheinander, verschmiert das Glühen der Welt, als würde er auf einem unsichtbaren Tisch aus Sternen malen.
Darum heißt es im Titel:
„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände … und manchmal auch Aquarellpapier.“
Mythisch betrachtet bedeutet das:
Die Kräfte der Schöpfung handeln nicht nach den Regeln der Perfektion.
Sie handeln spielerisch, überschäumend und manchmal scheinbar unordentlich.
Das Rot im Bild ist das Urfeuer der Welt, der brennende Schoß der Erde.
Das Gold ist das Licht des entstehenden Bewusstseins, das sich aus diesem Feuer erhebt.
Die wirbelnden Linien sind die Spuren der Narrenhand, die Bewegungen jener schöpferischen Kraft, die die Welt nicht konstruiert, sondern tanzen lässt.
Denn der Narr erschafft nicht durch Planung.
Er erschafft durch Spiel.
Und genau darin liegt das Geheimnis.
Was für den ordentlichen Geist wie ein Durcheinander aussieht, ein wildes Geflecht aus Linien und Farbstürmen, ist in Wahrheit der Moment, in dem die Welt noch frei ist.
Noch ist nichts festgelegt.
Noch kann alles werden.
In diesem Bild sieht man daher nicht nur Farbe und Struktur.
Man sieht den Augenblick, in dem die kosmische Narrenhand durch das Feuer der Möglichkeiten fährt und aus Chaos einen neuen Anfang hervorruft.
Vielleicht ist genau das die tiefste Botschaft des Titels:
Dass das Universum selbst manchmal wie ein Narr handelt
und gerade deshalb immer wieder neue Welten entstehen können.