Dieses Bild ist, bei aller Schärfe, bei aller Ironie, eine Rose. Keine gefällige, keine duftige, keine, die sich anbietet. Sondern eine, die den Valentinstag durch Karl Valentins Blick betrachtet: schief, klug, liebevoll widerspenstig. „Karl Valentin sein Ofenrohrtag“ ist damit weniger Blume als Geste, eine Rose, die nicht gefallen will, sondern verstanden werden möchte.
Der violette Grund öffnet den Raum wie eine emotionale Bühne: Leidenschaft, Tiefe, Verletzlichkeit, alles schwingt mit, aber nichts wird sentimental. Darauf wächst die Rose nicht organisch, sondern gedanklich. Ihre Blätter sind Flächen, ihre Dornen Linien, ihre Bewegung ist Spannung. Die geometrischen Formen fügen sich zu einer Blüte, die sich nicht rundet, sondern behauptet. Liebe erscheint hier nicht als Harmonie, sondern als kühnes Zusammenspiel von Gegensätzen: Nähe und Distanz, Glanz und Bruch, Ernst und Humor.
Der Glitter markiert das Unaussprechliche, den Moment, in dem Liebe plötzlich aufleuchtet, obwohl (oder gerade weil) sie unbequem ist. Er funkelt nicht flächig, sondern punktuell, wie Erkenntnis: nicht dauerhaft, aber unvergesslich. Die Linien schneiden, kreuzen, verfehlen sich absichtlich. Sie sind die Dialoge einer Beziehung, die nie ganz synchron verlaufen und genau deshalb lebendig bleiben. Diese Rose hat Dornen und sie zeigt sie mit Stolz.
Als Valentinsrose verweigert sich dieses Bild der Romantik von der Stange. Es sagt nicht „Ich liebe dich“, es sagt „Ich sehe dich“. Es ist eine Rose für Menschen, die wissen, dass Liebe kein glatter Zustand ist, sondern ein fortwährender Balanceakt. Komisch, ernst, schräg und wahr zugleich. Eine Rose, die lacht, während sie sticht. Eine Rose, die denkt. Eine Rose, wie Karl Valentin sie hätte schenken können und vielleicht genau deshalb eine der ehrlichsten überhaupt.