Dieses kleine, aber eindringliche Werk trägt den Titel „Tapetenwechsel“ und genau das ist hier nicht nur ein Ortswechsel, sondern ein innerer Perspektivwechsel. Auf den ersten Blick wirken die Blüten fast kindlich reduziert, wie spontane Skizzen, doch gerade diese scheinbare Einfachheit ist eine bewusste künstlerische Entscheidung, die den Blick unmittelbar auf das Wesentliche lenkt: Form, Rhythmus und Energie.
Die locker gesetzten, mit Kohle umrandeten Blütenkörper erscheinen wie Momentaufnahmen eines lebendigen Prozesses – nichts ist starr, nichts dekorativ im klassischen Sinn. Stattdessen entsteht eine spielerische Bewegung über die Fläche, ein visuelles Wandern von Blüte zu Blüte, das den Betrachter unmerklich in einen Zustand stiller Aufmerksamkeit führt.
Die gelben Zentren wirken wie kleine Sonnen, Konzentrationspunkte von Wärme und Vitalität, die aus dem ansonsten zurückhaltenden, fast rohen Hintergrund hervortreten. Dieses Gelb ist kein schmückendes Detail, sondern ein energetischer Kern, ein Symbol für Präsenz, für Bewusstsein, für das innere Leuchten, das selbst in unscheinbaren Formen existiert.
Die unruhige, strukturierte Oberfläche aus Acrylpaste verleiht dem Bild eine haptische Tiefe – als würde sich unter der scheinbar schlichten Darstellung eine Schicht gelebter Erfahrung verbergen. Genau hier entfaltet sich die eigentliche Aussage des Werkes: Ein Tapetenwechsel bedeutet nicht Flucht, sondern Neuausrichtung der Wahrnehmung.
Die Blüten sind keine botanischen Objekte, sondern Zeichen für Zustände, leicht, verletzlich, offen. Manche wirken fast fragmentiert, andere stabiler, und gerade dieses Nebeneinander erzählt von den unterschiedlichen Phasen innerer Entwicklung. Das Bild lädt dazu ein, die eigene Umgebung und vor allem die eigene Haltung, neu zu betrachten.
So entsteht aus wenigen, reduzierten Mitteln eine überraschend starke Wirkung: Leichtigkeit trifft auf Tiefe, Naivität auf Bewusstheit, Spontaneität auf stille Präsenz. „Tapetenwechsel“ wird damit zu einer poetischen Erinnerung daran, dass Veränderung oft nicht laut geschieht, sondern leise, in kleinen Verschiebungen des Blicks, die plötzlich eine ganze Welt verwandeln.