Kalenderblatt
11. April

Gewinne privatisieren, Verluste und Zerstörung global sozialisieren

Kalenderblatt vom 11. April
“Gewinne privatisieren, Verluste und Zerstörung global sozialisieren”
“Privatizing profits, globally sozializing losings and destruction”
“Privatizando beneficios, sozialzando globalmente pérdidas y destrucción”

Gesso, Tusche auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Ein glühender roter Kreis dominiert die Komposition, roh, unruhig, beinahe pulsierend wie ein verletztes Herz oder eine brennende Sonne am Rand des Kollapses. Darunter schwebt eine dunkle, entkörperlichte Form, die wie ein Schatten wirkt, entwurzelt, losgelöst, ohne Halt. Sie scheint nicht zu fallen und nicht zu fliegen, sondern in einem Zustand der globalen Schwerelosigkeit der Verantwortung zu verharren.

Im unteren Bereich krallt sich ein kantiges, fast archaisches Gebilde in den Raum, ein Fragment von Struktur, von System, von Macht. Es wirkt unvollständig, roh, beinahe brutal gesetzt, als wäre es nicht gebaut, sondern durchgesetzt worden. Daneben wachsen stachelartige Formen, die an Dornen, an Verwüstung, an die Narben einer ausgebeuteten Landschaft erinnern. Natur erscheint hier nicht als lebendig, sondern als gezeichnet, als Konsequenz.

Der Titel trifft mit chirurgischer Präzision: „Gewinne privatisieren, Verluste und Zerstörung global sozialisieren“. Das Bild übersetzt diesen Satz in eine visuelle Sprache, die keine Ausflüchte erlaubt. Der rote Kreis wird zur Metapher für konzentrierten Profit, kompakt, sichtbar, greifbar. Doch darunter liegt der diffuse Schatten dessen, was ausgelagert wird: Verantwortung, Kosten, Konsequenzen, verteilt, entgrenzt, anonymisiert.

Die Komposition ist bewusst reduziert und dadurch umso kompromissloser. Kein Detail lenkt ab von der strukturellen Aussage: Was oben glänzt, hinterlässt unten Brüche. Was wenige besitzen, tragen viele. Und was als Fortschritt verkauft wird, zeigt sich hier als ästhetisch verdichtete Spur der Zerstörung.

Dieses Werk ist keine bloße Darstellung, es ist eine Anklage in minimalistischer Form. Es zwingt den Betrachter, nicht nur zu sehen, sondern zu erkennen: Die Balance ist verloren gegangen und das System selbst zeichnet die Linien seiner eigenen Kritik.

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