Kalenderblatt
21. März

Schaffenspause

Das Kalenderblatt zum 21. März
“Schaffenspause”
“Producing Break”
“Pausa de Creación”

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Der Weg hatte sich schon lange selbst vergessen. Zwischen knorrigen Stämmen und ineinander verschlungenen Ästen lag er da wie ein Gedanke, der nicht zu Ende gedacht worden war. Ein Pfad, der nicht mehr führte, sondern wartete.

An diesem Nachmittag, in dem das Licht nicht fiel, sondern atmete, betrat ihn eine Frau, die nichts suchte und genau deshalb alles finden konnte. Sie ging langsam, beinahe tastend, als würde sie den Boden nicht betreten, sondern befragen. Die Farben um sie herum schienen sich zu bewegen, als hätten sie ein eigenes Gedächtnis: Goldenes Flirren, das sich in warmen Tönen verlor, und Schatten, die nicht dunkel waren, sondern voller Geschichten.

Sie war lange unterwegs gewesen, ohne je anzukommen. In ihrem Leben hatte sie vieles begonnen, manches beendet, doch das Wesentliche war ihr immer entglitten, wie Wasser durch offene Hände. Hier jedoch, an diesem stillen Ort, geschah etwas Unerwartetes: Die Zeit hielt nicht an, sie legte sich nur zur Seite.

Die Frau setzte sich auf einen flachen Stein, der halb von Moos, halb von Erinnerung bedeckt war. Kein Vogel sang. Kein Wind sprach. Und doch war alles erfüllt von einer leisen Gegenwart, die nicht von außen kam. Es war, als hätte der Wald beschlossen, nicht mehr zu wachsen, sondern zu sein.

In dieser Schaffenspause, einem Moment zwischen zwei Herzschlägen der Welt, begann sie zu begreifen, dass nicht jede Bewegung ein Fortschritt ist und nicht jedes Innehalten ein Stillstand. Manchmal ist es genau andersherum. Manchmal entsteht das Wesentliche dort, wo nichts geschieht.

Sie schloss die Augen. Bilder tauchten auf, nicht als Erinnerungen, sondern als Möglichkeiten. Farben, die sie nie gemalt hatte. Worte, die sie nie gesagt hatte. Wege, die sie nie gegangen war. Und plötzlich erkannte sie: All das war nicht verloren. Es hatte nur gewartet.

Als sie die Augen wieder öffnete, war das Licht noch immer da, warm, einladend, fast lebendig. Doch etwas hatte sich verändert. Nicht im Wald. Nicht im Weg. In ihr.

Sie stand auf, nicht schneller als zuvor, aber leichter. Der Pfad vor ihr war derselbe  und doch ein anderer. Denn nun wusste sie: Der Weg entsteht nicht durch Gehen allein, sondern durch das, was man in sich trägt, wenn man innehält.

Und so ging sie weiter, nicht um anzukommen, sondern um zu verweilen, in jedem Schritt, in jedem Atemzug, in jeder unscheinbaren Pause, die mehr erschafft als jedes rastlose Tun.

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