Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt
4. Oktober

Kalenderblatt 4. Oktober

Das Morgenbild zum 4. Oktober
„Der Pfad der Schlange – Heimkehr ins goldene Licht“
„The Serpent’s Path – The Return unto the Golden Light“
„El Sendero de la Serpiente – El Retorno hacia la Luz Dorada“

Aquarell und Goldpaste auf Aquarellpapier ca 15 x 21 cm   rot.gif
 

Am Anfang war das Goldene Licht, ungeteilt und rein.
Doch ein Funke löste sich und wurde zur Schlange, die sich in die Tiefen der Welt wand.

Sie trank von den Feuern der Erde, sog die Farben des Lebens und legte ihre Spur durch Materie und Zeit.
Vergessen hatte sie ihr wahres Reich, und doch sehnte sich ihr Herz nach dem Ursprung.

Als die Sonne sie rief, hob sie den Kopf, wand sich empor und erinnerte sich.
Und so begann ihr Aufstieg – der Pfad zurück, durch Feuer und Schatten, hinauf zur Heimkehr ins Goldene Licht.


Am Anfang war das Goldene Licht, ungeteilt und rein,  Ursprung allen Seins, aus dem alles geboren wurde. Ein Funke löste sich aus dieser unendlichen Einheit und nahm Gestalt an – die Schlange, Symbol des Lebensstroms, der sich durch die Schöpfung windet. Sie tauchte hinab in die Tiefen der Welt, wo Feuer, Erde und Wasser sich begegnen, und begann ihre Reise durch das Reich der Formen.

Sie trank von den Feuern der Erde, sog die Farben der Materie und durchzog die Zeiten mit ihrem Atem. Überall hinterließ sie Spuren des Erwachens, denn in jeder ihrer Windungen lag das Geheimnis der Wandlung, Tod und Wiedergeburt, Vergessen und Erinnern. Doch mit jedem Schritt durch Dichte und Schatten entfernte sie sich weiter von ihrem Ursprung, und eine leise Sehnsucht begann in ihrem Inneren zu glimmen,  ein Ruf aus der Tiefe ihres eigenen Herzens.

Als die Sonne sie rief, hob sie den Kopf, und ihr Blick durchdrang die Schleier der Welt. Die Erinnerung kehrte zurück,  das Wissen um das Goldene Licht, das sie nie verloren, nur verhüllt hatte. In diesem Augenblick erwachte sie, und der Pfad der Rückkehr begann.

Schritt für Schritt, Windung um Windung, wand sie sich empor  durch Feuer und Schatten, durch Erkenntnis und Hingabe. Das, was einst Trennung schien, offenbarte sich als Reise der Bewusstwerdung. Der Schmerz verwandelte sich in Kraft, die Dunkelheit in Tiefe, und das Goldene Licht begann, wieder in ihr zu leuchten.

So wurde aus der Schlange ein leuchtender Strom, der Himmel und Erde verband, ein Tor zwischen Ursprung und Werden. Und als sie heimkehrte, war sie nicht mehr die, die einst aufgebrochen war. Sie hatte das Licht nicht nur wiedergefunden,  sie war selbst zum Goldenen Licht geworden.

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Kalenderblatt
3. Oktober

Kalenderblatt zum 3. Oktober

Das Kalenderblatt zum 3. Oktober
„Im Glutlicht der verbotenen Sonne erwachten die Hüter, und mit ihnen die letzte Erinnerung an die verlorene Zeit.“
„In the glow of the forbidden sun, the Guardians awoke, and with them the last memory of the lost time.“
„En el resplandor del sol prohibido despertaron los Guardianes, y con ellos el último recuerdo del tiempo perdido.“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Lange lagen sie im Schweigen, gebannt von Kräften, die älter waren als Worte. Niemand hatte ihre Namen gekannt, seit Generationen waren ihre Spuren verweht im Staub des brennenden Landes. Doch als die rote Sonne den Himmel wie eine offene Wunde überzog, regte sich das Vergessene.

Die Hüter erhoben sich aus Asche und Glut, ihre Gestalten halb aus Feuer, halb aus Schatten geformt. Mit ihnen stieg ein Raunen auf, ein uralter Klang, der die Insel durchzog. Die Erde bebte, als ob sie selbst die Erinnerung nicht länger tragen könne.

Legenden sprachen von einem Tor, tief verborgen in der Glutschlucht, errichtet in einer Zeit, da die Menschen noch im Einklang mit den Sternen lebten. Ein Tor, das Welten verband und jene, die hindurchschritten, kehrten nie zurück. So war es verschlossen worden, versiegelt mit einem Schwur: Solange die Sonne leuchtet, soll das Tor schweigen.

Doch die Sonne hatte ihre Farbe gewechselt. Rot, verboten, brennend. Ein Zeichen, dass der Schwur zerbrochen war.

Die, die das Flüstern hörten, sprachen nur noch leise von den Hütern. Manche fürchteten sie als Geister der Vergeltung, andere verehrten sie als die letzten Boten der Wahrheit. Doch alle wussten: Die Zeit des Schlafs war vorüber. Etwas hatte begonnen, das nicht mehr aufzuhalten war.

Und so legte sich ein neues Schweigen über das Land,  ein Schweigen, das schwerer wog als Worte, weil es die Vorahnung eines Endes in sich trug.

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