Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
3. Juni

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Kalenderblatt zum 03. Juni
„Territorium der Wandlung“
„Territory of Transformation“
„Territorio de la Transformación“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

„Territorium der Wandlung“ ist eine innere Landschaft, ein Grenzgebiet zwischen dem, was war, und dem, was werden will. Das Bild entfaltet sich wie eine geheimnisvolle Karte eines Reiches, in dem sich Formen auflösen, Gewissheiten verblassen und neue Möglichkeiten langsam Gestalt annehmen. Die dominierende rote Farbwelt wirkt dabei wie ein kraftvolles Feld der Transformation, ein Raum voller Energie, Leidenschaft und schöpferischer Spannung.

Die verschiedenen rechteckigen Strukturen erinnern an Mauern, Tore, Räume oder Abschnitte eines Weges. Doch nichts erscheint endgültig festgelegt. Alles scheint in Bewegung zu sein. Wandlung geschieht hier nicht als plötzlicher Umbruch, sondern als fortwährender Prozess des Werdens. Die weißen Linien und hellen Durchbrüche wirken wie Spuren eines unsichtbaren Architekten, der neue Verbindungen schafft, wo zuvor Trennung herrschte. Grenzen werden durchlässig, Übergänge entstehen.

Das tiefe Rot spricht von Lebenswillen, Mut und innerem Feuer. Gleichzeitig trägt es die Erinnerung an vergangene Erfahrungen in sich. Die goldenen Bereiche erscheinen wie kostbare Schätze, die im Verlauf eines langen Entwicklungsweges freigelegt werden. Jede Krise, jede Herausforderung und jede innere Auseinandersetzung hinterlässt hier einen verborgenen Goldkern. Was zunächst wie Bruchstücke wirkt, offenbart sich bei näherem Hinsehen als Teil einer größeren Ordnung.

Besonders faszinierend ist die Spannung zwischen Verdichtung und Öffnung. Einige Bereiche wirken verschlossen, andere scheinen sich gerade zu öffnen. Dadurch entsteht der Eindruck eines Bewusstseinsraumes, in dem Altes und Neues gleichzeitig anwesend sind. Das Bild erzählt von jenem Moment, in dem ein Mensch die Schwelle überschreitet und erkennt, dass Entwicklung nicht bedeutet, etwas anderes zu werden, sondern das Eigene tiefer zu entfalten.

„Territorium der Wandlung“ lädt dazu ein, den eigenen Lebensweg als schöpferischen Prozess zu betrachten. Es erinnert daran, dass Veränderung kein Verlust ist, sondern die Freilegung verborgener Möglichkeiten. Wo Mauern sichtbar werden, können Türen entstehen. Wo Unsicherheit auftaucht, wächst oft zugleich eine neue Form von Freiheit. So wird dieses Werk zu einer poetischen Landkarte der Transformation, einem Bild über Mut, Entwicklung und die stille Kraft des inneren Werdens.

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Kalenderblatt
2. Juni

Die Angst vor der Diagnose

Kalenderblatt vom 2. Juni
„Die Angst vor der Diagnose“
„The fear of the diagnosis“
„El miedo a la diagnosis“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Es war einmal ein Wanderer namens Arion, der viele Jahre durch die Landschaften seines Lebens gezogen war. Er hatte Berge der Hoffnung überquert, Täler der Enttäuschung durchschritten und Flüsse voller Erinnerungen hinter sich gelassen. Doch eines Tages stand er vor einem Tor, das er niemals hatte sehen wollen.

Das Tor war seltsam. Es bestand nicht aus Stein oder Holz, sondern aus gelbem Licht und schwarzen Schatten. Darüber spannte sich ein gewaltiger roter Bogen, als hätte jemand einen glühenden Streifen aus Feuer über die Welt gelegt. Hinter dem Tor lag das Land der Antworten.

Arion hatte gehört, dass jeder Mensch früher oder später an dieses Tor gelangte. Manche jung, manche alt. Manche voller Mut, andere voller Furcht. Und immer wartete dahinter eine Botschaft, die niemand vorher kannte.

Je näher er kam, desto schwerer wurden seine Schritte. Die Schatten am Rand des Weges begannen zu flüstern.

„Was, wenn die Nachricht schlimm ist?“

„Was, wenn dein Leben nie wieder dasselbe sein wird?“

„Was, wenn alles zerbricht?“

Die Stimmen wurden lauter und lauter, bis sie wie ein Schwarm schwarzer Vögel um seinen Kopf kreisten. Der rote Bogen über ihm schien sich zu verdunkeln. Sein Herz schlug schneller.

Da bemerkte Arion eine alte Frau, die am Wegesrand saß. Sie trug ein Gewand aus Goldfäden und hielt eine kleine Laterne in der Hand.

„Warum fürchtest du dich?“, fragte sie.

„Weil ich die Antwort nicht kenne“, sagte Arion.

Die Frau lächelte.

„Nein“, erwiderte sie sanft. „Du fürchtest nicht die Antwort. Du fürchtest die Geschichten, die du dir über die Antwort erzählst.“

Arion schwieg.

Die Frau erhob die Laterne. Ihr Licht fiel auf den roten Bogen. Nun erkannte er etwas Erstaunliches: Der Bogen war keine Mauer. Er war eine Brücke.

„Die Angst“, sagte die Alte, „ist oft nur die Brücke zwischen dem Nichtwissen und dem Wissen. Von weitem sieht sie aus wie Feuer. Doch wenn du sie betrittst, besteht sie nur aus einem einzigen Schritt nach dem anderen.“

Arion blickte erneut auf das Tor. Die Schatten waren noch da. Doch sie wirkten kleiner.

Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen. Als er die Brücke betrat, bebte sie nicht. Sie verbrannte ihn nicht. Sie trug ihn.

Mit jedem Schritt verlor eine der dunklen Stimmen ihre Macht.

„Was, wenn alles vorbei ist?“

Der Wind nahm die Stimme mit.

„Was, wenn du es nicht schaffst?“

Sie löste sich auf wie Nebel.

„Was, wenn die Zukunft dunkel wird?“

Auch sie verschwand.

Als Arion schließlich das Tor erreichte, öffnete es sich lautlos. Dahinter fand er nicht das Ende seines Weges, sondern den Anfang eines neuen Abschnitts.

Die Antwort, die auf ihn wartete, war weder Freund noch Feind. Sie war einfach Wahrheit.

Und plötzlich verstand er etwas, das viele Menschen erst sehr spät begreifen:

Die Angst vor der Diagnose ist oft größer als die Diagnose selbst. Denn die Angst lebt von den Schatten des Unbekannten, während die Wahrheit, selbst wenn sie schwer ist, immer Licht in sich trägt.

So ging Arion weiter. Nicht ohne Sorge. Nicht ohne Zweifel. Aber mit einem Herzen, das wusste, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben.

Mut bedeutet, trotz der Angst die Brücke zu betreten.

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