Kategoriearchiv: Remastert

Kalenderblatt
16. November

Kalenderblatt 16. November

Das Kalenderblatt zum 16. November
„Ein Punkt verhandelt sein Recht auf Unendlichkeit“
„A Point Negotiates Its Right to Infinity“
„Un Punto Negocia Su Derecho a la Infinidad“

Aquarell, Glitter, Stabilopoint auf Aquarellpapier ca 15 x 20 cm

In diesem Bild entfaltet sich ein spannungsreicher Dialog zwischen Form, Farbe und Bedeutung, der den Betrachter unweigerlich in seinen Bann zieht. Die Komposition wirkt wie ein energetisches Experimentierfeld, in dem klare geometrische Strukturen auf intuitive, organische Farbbewegungen treffen. Das leuchtende Gelb erhebt sich wie eine innere Sonne und bildet das Fundament eines Raumes, der gleichzeitig Schutz bietet und zum Aufbruch einlädt. Darüber schwebt ein dunkleres, erdiges Quadrat, dessen vibrierende, fast kosmische Textur eine Verdichtung innerer Prozesse spürbar macht. Hier entsteht eine Atmosphäre von Hitze, Transformation und Durchbruch.

Aus dieser glühenden Mitte erhebt sich ein glitzernder, fast fragiler Faden, der sich zu einer kleinen, aber entschlossenen Kreisform aufrollt, eine Art Punkt, der sein eigenes Bewusstsein entwickelt. Er wirkt wie eine Spur, eine Entscheidung, ein erster Versuch, sich gegen die Schwerkraft und gegen alte Begrenzungen zu behaupten. Dieser funkelnde Punkt wird zur metaphorischen Verhandlung zwischen Endlichkeit und Ausdehnung, ein Symbol für die stille Rebellion des Individuums gegen jeden Rahmen, der es einzusperren versucht.

Das untere Halbkreis-Motiv, sanft in Blau und Ocker gehalten, wirkt wie eine große, ruhende Erde oder ein kosmisches Gegenüber, das die Bewegung nach oben erdet. Die gestrichelten Linien deuten auf Möglichkeiten hin, auf alternative architektonische oder gedankliche Räume, die das Bild absichtlich nicht vollständig zeichnet, ein Spiel mit dem, was sein könnte, nicht nur mit dem, was ist.

So wird das gesamte Werk zu einer radikalen Meditation über Selbstwerdung, über das Sich-Erheben aus dem Bekannten, über jene leise, aber unbeirrbare Kraft, mit der ein einziger Punkt beginnt, sein Recht auf Unendlichkeit einzufordern.

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
15. November

Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen

Kalenderblatt vom 15. November
„Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen“

„Who aspires after revenge is leaving his own wounds open“
„Quien aspira a venganza, deja sus propias lampreas abierto“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Dieses Bild ist ein Aufschrei  und zugleich eine stille Einladung zur Heilung.
Die eruptiven Rotflächen wirken wie aufgerissene seelische Landschaften, in denen Schmerz, Wut und alte Verletzungen noch pulsieren. Rot als Farbe der Intensität brennt sich in den Blick, als wollte es uns zwingen, nicht länger wegzuschauen. Dazwischen tauchen dunkle, fast silhouettenhafte Formen auf, wie Schatten der Vergangenheit, die sich weigern loszulassen, solange wir selbst an ihnen festhalten.

Die weißen, fast wolkigen Aufhellungen durchbrechen dieses dramatische Gefüge und erinnern an die Momente, in denen Bewusstsein in den Schmerz hineinleuchtet. Sie wirken wie Atempausen im emotionalen Sturm, Hinweise darauf, dass Klarheit möglich ist, wenn wir innehalten. Die erdigen Gelb- und Brauntöne links unten lassen die Komposition in etwas Archaisches, etwas Tiefliegendes kippen. Als würde hier das Unbewusste sprechen.

Und dann sind da die beiden goldenen Dreiecke,  kleine, aber kraftvolle Interventionen. Gold als Symbol der Transmutation, des Wertvollen, des inneren Schatzes. Ihre klare, geometrische Form hebt sich bewusst von der rauen, fast verletzten Oberfläche ab. Sie wirken wie Entscheidungen. Wendepunkte. Erkenntnisse. Die Botschaft scheint: Heilung geschieht nicht zufällig, sie beginnt, wenn wir bewusst den Schritt aus dem Schmerz heraus wählen.

In der Gesamtheit zeigt das Werk, was der Titel bereits flüstert: Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen. Das Bild macht sichtbar, wie viel Energie im Festhalten gebunden bleibt, wie sehr wir selbst Teil des Kreislaufs werden, den wir beenden wollen. Doch gleichzeitig zeigt es den Weg hinaus: Goldene Klarheit zwischen rotem Chaos. Bewusstsein zwischen Schatten. Entscheidung zwischen Emotion.

So wird dieses kraftvolle Werk zu einem visuellen Mantra:
Loslassen ist kein Vergessen, es ist die Rückgabe der Macht an uns selbst.

Teile diesen Beitrag