Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
6. Juni

Die Baumnymphe umschlingt Vishnus Tempel

Morgenbild vom 6. Juni
„Die Baumnymphe umschlingt Vishnus Tempel“
„The dryad wind around the temple of Vishnu“
„La ninfa arbórea abraza el templo de Vishnu“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Tief im Herzen eines uralten Waldes, dort, wo die Zeit ihre Schritte verlangsamt und die Luft nach Erde, Harz und vergessenen Gebeten duftet, stand ein Tempel, der dem großen Vishnu geweiht war. Niemand wusste mehr, wer ihn erbaut hatte. Seine Mauern waren von Jahrhunderten gezeichnet, seine Steine von Sonne, Regen und den Geschichten zahlloser Generationen geglättet worden. Doch obwohl die Menschen ihn längst verlassen hatten, war er nicht allein.

In den Wurzeln und Ästen eines mächtigen Baumes lebte eine Baumnymphe namens Anaya. Ihr Haar war golden wie das Licht der Morgensonne, ihre Augen schimmerten blau wie die Tiefe des Himmels, und ihre Haut trug die Farben von Blättern, Moosen und Blüten. Sie war die Hüterin des Waldes und hörte die Stimmen aller Lebewesen, die zwischen den Wurzeln und Kronen lebten.

Eines Tages bemerkte Anaya, dass der Tempel immer stiller wurde. Die Gebete waren verstummt, die Opfergaben verschwunden, und selbst die Vögel schienen die alten Mauern zu meiden. Der Geist des Tempels begann zu verblassen. Seine Steine verloren ihren Glanz, und die Erinnerung an die Weisheit Vishnus drohte im Nebel der Vergessenheit zu versinken.

Da fasste die Baumnymphe einen Entschluss.

Langsam ließ sie ihre Wurzeln wachsen. Sie schickte sie über die Erde, durch das Gras und zwischen die Steine des Tempels. Ihre Arme wurden zu Ästen, ihre Finger zu Ranken, und mit unendlicher Zärtlichkeit begann sie, den Tempel zu umschlingen. Nicht um ihn zu erobern, sondern um ihn zu bewahren.

Jahr um Jahr verbanden sich Baum und Tempel enger miteinander. Die Wurzeln hielten die Mauern zusammen, wenn Stürme kamen. Die Äste spendeten Schatten, wenn die Sonne brannte. Die Blätter fingen den Regen auf und leiteten ihn in die trockenen Fugen des alten Gemäuers.

Als Vishnu dies von seinem himmlischen Reich aus sah, lächelte er.

„Wer bewahrt, was die Menschen vergessen, dient dem Leben ebenso wie jene, die Tempel errichten.“

Zum Dank schenkte er Anaya einen Teil seines göttlichen Lichtes. Von diesem Tag an begann der Tempel von innen heraus zu leuchten. Goldene Strahlen flossen durch die Wurzeln, tanzten über die Steine und verwandelten die alten Mauern in ein lebendiges Wesen aus Licht und Erde.

Noch heute erzählen die Tiere des Waldes, dass man in besonderen Stunden zwischen Sonnenaufgang und Mittag eine leuchtende Gestalt erkennen kann. Sie scheint aus den Wurzeln hervorzutreten und zugleich mit dem Tempel eins zu sein. Wer ihr begegnet, spürt für einen Augenblick, dass Natur und Geist, Erde und Himmel, Baum und Tempel niemals getrennt waren.

Und so steht der Tempel noch immer im Wald, umarmt von der Baumnymphe, durchdrungen vom Licht Vishnus. Er erinnert jeden, der ihn findet, daran, dass wahre Bewahrung nicht im Festhalten liegt, sondern in der liebevollen Verbindung von allem, was lebt. Denn dort, wo die Wurzeln der Erde das Göttliche berühren, beginnt das Geheimnis der Ewigkeit.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
6. Juni

am Morgen danach

Das Kalenderblatt zum 6. Juni
“Am Morgen danach”
„La mañana siguiente
„The morning after“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Am Morgen danach lag das Land still da, als hätte die Nacht ihre letzten Geheimnisse zwischen die Falten der Erde gelegt. Niemand wusste mehr genau, was geschehen war. Es gab keine lauten Erinnerungen, keine sichtbaren Spuren eines großen Ereignisses. Nur dieses Schweigen, das über den Hügeln lag wie ein feiner Schleier aus Gold und Asche.

Ein alter Wanderer trat aus seiner Hütte und blickte über die Landschaft. Die Felder schimmerten in dunklem Grün, dazwischen leuchteten kleine Inseln aus Licht, als hätte die Sonne vergessen, einige ihrer Träume einzusammeln. Der Himmel war schwer von Wolken, doch irgendwo dahinter wartete bereits ein neuer Tag.

Der Wanderer erinnerte sich an die Stimmen des vergangenen Abends. An die Sorgen, die Ängste und die Fragen, die wie rastlose Vögel durch die Köpfe der Menschen geflogen waren. Viele hatten geglaubt, alles würde sich ändern. Andere hatten gefürchtet, alles würde so bleiben wie zuvor.

Doch am Morgen danach war nichts davon wichtig.

Während er langsam den Pfad hinabging, bemerkte er etwas Seltsames. Überall dort, wo die Nacht besonders dunkel gewesen war, glitzerte nun ein feiner goldener Schimmer. Zwischen den Gräsern, auf den Steinen und selbst in den kleinen Pfützen am Wegesrand tanzten Lichtpunkte wie unsichtbare Botschaften.

Der Wanderer lächelte. Er verstand plötzlich, dass die Nacht nichts zerstört hatte. Sie hatte verwandelt.

Manche Wandlungen geschehen nicht im Lärm des Augenblicks, sondern in der Stille danach. Während wir schlafen, ordnen sich die Dinge neu. Wunden beginnen zu heilen. Gedanken finden ihren Platz. Und aus dem Durcheinander wächst langsam eine neue Landschaft des Herzens.

Je weiter er ging, desto heller wurde der Morgen. Die dunklen Flächen verloren ihre Schwere und wurden zu Wegen. Die grauen Schatten verwandelten sich in Tiefen voller Möglichkeiten. Selbst das Ungewisse erschien nicht mehr bedrohlich, sondern geheimnisvoll.

Als die Sonne schließlich durch eine Öffnung in den Wolken brach, blieb der Wanderer stehen. Vor ihm lag dieselbe Welt wie gestern  und doch war sie eine andere.

Denn die Veränderung hatte nicht draußen stattgefunden.

Sie war in ihm geschehen.

Und so setzte er seinen Weg fort, begleitet von dem stillen Wissen, dass jeder Morgen eine zweite Chance ist. Dass nach jeder Nacht ein neuer Anfang wartet. Und dass das Leben oft genau dort weitergeht, wo wir glauben, es habe aufgehört, am Morgen danach.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag