Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
16. Dezember

ADD-ON

Kalenderblatt vom 16. Dezember
„ADD-ON“

Acryl. Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„ADD-ON“ ist kein Bild, das erklärt werden will,  es ist ein Bild, das hinzufügt, eingreift, sich einmischt. Eine visuelle Intervention in einen bereits bestehenden Zustand. Das tiefe, vibrierende Blau wirkt wie ein mentaler Raum, ein Feld des Denkens, Erinnerns und Suchens. Es ist kein ruhiges Blau, sondern ein aufgerautes, geschichtetes Blau, voller Spuren, Abriebe und Narben. Dieses Blau trägt Geschichte in sich,  es ist Hintergrund, Fundament und Widerstand zugleich.

In dieses Feld sind Linien gesetzt: klar, entschlossen, fremd und doch präzise. Sie schweben nicht zufällig, sie behaupten Position. Jede Linie ist ein Add-on im wörtlichen Sinn,  ein Zusatz, eine bewusste Ergänzung, vielleicht sogar ein Störfaktor. Rot bricht als Impuls herein: emotional, körperlich, unübersehbar. Es ist der Moment der Entscheidung, der Schnitt, das „Jetzt“. Gelb erscheint wie Markierung, wie Hinweis oder Warnung,  ein Signal an das Bewusstsein, hier aufmerksam zu werden. Weiß schließlich öffnet Raum: als Licht, als Möglichkeit, als Denkspur ins Unbekannte.

Nichts ist dekorativ. Alles ist funktional im Sinne innerer Klarheit. Die Linien erinnern an Koordinaten, an Messungen, an gedankliche Vektoren. Sie scheinen etwas auszurichten, etwas zu strukturieren und doch bleibt das Ganze offen, fragmentarisch, bewusst unvollständig. Genau darin liegt die Kraft dieses Werkes: Es behauptet keine Wahrheit, es lädt zur Ergänzung ein. Der Betrachter wird Teil des Systems, zum letzten Add-on.

„ADD-ON“ spricht von unserer Zeit: von der permanenten Erweiterung des Selbst, vom ständigen Hinzufügen von Rollen, Informationen, Identitäten. Gleichzeitig stellt das Bild die leise, aber entscheidende Frage: Was davon ist wesentlich? Welche Linie ist notwendig und welche nur Aufsatz, nur Überlagerung?

Dieses Werk wirkt intellektuell klar und emotional roh zugleich. Es ist ein Bild für Menschen, die nicht konsumieren, sondern lesen, nicht bewundern, sondern denken wollen. „ADD-ON“ ist kein Abschluss. Es ist ein Angebot. Ein visuelles Versprechen, dass Bedeutung nicht gegeben ist,  sondern entsteht.

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Kalenderblatt
15. Dezember

Gefallener Engel kopflos den Rückweg suchend

Kalenderblatt vom 15. Dezember
„Gefallener Engel kopflos den Rückweg suchend“
„Fallen Angel headlessly looking for the way back“
„Angel caído acéfalamente buscando el regreso“

 Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

In „Gefallener Engel kopflos den Rückweg suchend“ entfaltet sich eine kraftvolle Choreographie aus Bewegung, Verlust und innerer Suche. Die in intensivem Blau ausgeführten Strukturen wirken wie aufgewühlte Fragmente eines Wesens, das aus seiner ursprünglichen Ordnung herausgerissen wurde. Das Fehlen eines klar erkennbaren Kopfes wird zum visuellen Symbol radikaler Orientierungslosigkeit, ein Engel, der nicht mehr sieht, wohin er gehört, und dessen spirituelle Achse aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Gleichzeitig erzeugen die dynamischen, scharfkantigen und doch teilweise transparenten Formen den Eindruck eines Körpers, der sich durch Schichten aus Erinnerung, Schmerz und Hoffnung hindurcharbeitet. Die Komposition wirkt wie ein Moment der Zwischenwelt: weder himmlisch erhoben noch vollständig gestürzt, sondern gefangen in einem Schwebezustand, in dem alles neu ausgehandelt werden muss. Das Blau, kühl und existenziell, legt sich wie ein Schleier über den gesamten Bildraum und verleiht der Szene eine emotionale Tiefe, die zwischen Melancholie und stiller Entschlossenheit pendelt.

Der gefallene Engel erscheint nicht als Opfer, sondern als Figur im Übergang, ein Wesen, das trotz seiner Fragmentierung einen inneren Impuls bewahrt. Die suchenden Linien und Bewegungen deuten auf einen Rückweg, der nicht geographisch, sondern innerlich verläuft. Es geht um die Möglichkeit, aus dem Chaos heraus ein neues Selbst zu formen, um das Wiederfinden einer Richtung, die nicht mehr durch äußere Autorität, sondern durch die eigene innere Wahrheit bestimmt wird.

So wird das Bild zu einer metaphorischen Landschaft des Wiederauferstehens: Ein visuelles Gedicht über Verlust und Neuorientierung, über das Abstreifen alter Gestalten und das tastende Voranschreiten in ein unbekanntes, aber selbstbestimmtes Licht.

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