Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
21. Dezember

Traum eines kretischen Abends am Morgen

Kalenderblatt vom 21. Dezember
„Traum eines kretischen Abends am Morgen“
„Dream of a Cretan eve in the morning“
„Sueño de una tarde cretense a la mañana“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

„Traum eines kretischen Abends am Morgen“ ist kein Landschaftsbild im klassischen Sinn, es ist eine Erinnerung, die noch warm ist, ein inneres Nachglühen, das sich weigert, dem klaren Licht des Morgens zu weichen. Dieses Bild erzählt nicht von Kreta, es atmet Kreta.

Die glühenden Orange- und Rottöne im oberen Bildraum wirken wie ein Himmel, der sich noch nicht entschieden hat, ob er Abschied oder Verheißung sein will. Es ist der Moment nach dem Untergang der Sonne, wenn der Tag längst vorbei ist, aber die Seele noch nicht schlafen möchte. Die Farben sind nicht glatt, nicht gefällig,  sie sind aufgerissen, geschichtet, verdichtet. Hier wurde nicht gemalt, hier wurde erinnert.

Darunter öffnet sich eine Landschaft, die zugleich real und entrückt ist. Ein Horizont, der schwankt, als würde er sich dem Träumenden anpassen. Blau, Grün und erdige Gelbtöne fließen ineinander, ohne sich festzulegen. Es ist das Meer, es ist das Land, es ist das Dazwischen. Ein Raum, in dem Zeit keine lineare Richtung mehr hat.

Die Acrylpaste verleiht dem Bild eine spürbare Körperlichkeit. Man sieht nicht nur Farbe, man sieht Spuren von Bewegung, von Druck, von Entscheidung. Kratzspuren, Verdichtungen, Schichtungen,  sie erzählen von Wind, von Hitze, von jahrtausendealter Erde. Kreta als Archetyp, nicht als Ort. Ursprünglich. Wild. Unverfügbar.

Und dann ist da dieser Morgen. Kein frischer Neubeginn, kein klares Erwachen, sondern ein sanftes Hinüberretten der Nacht in den Tag. Der Traum ist noch da. Vielleicht verblasst er gleich. Vielleicht bleibt er für immer. Dieses Bild hält genau diesen flüchtigen Moment fest,  den Augenblick, bevor wir uns selbst wieder verlieren.

„Traum eines kretischen Abends am Morgen“ ist eine Einladung, langsamer zu sehen. Nicht zu erklären, sondern zu spüren. Nicht zu suchen, sondern sich erinnern zu lassen. Ein Bild für Menschen, die wissen, dass die stärksten Orte nicht auf Landkarten existieren, sondern im Inneren.

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Kalenderblatt
21. Dezember

Der Himmel über nirgendwo

Kalenderblatt vom 21. Dezember
„Der Himmel über nirgendwo“
„The sky over nowhere“
„El cielo de ningun lugar“

Acryl, Quarzsand, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Der Himmel über nirgendwo“ ist kein Ort, den man finden kann, es ist ein Zustand, den man betritt. Dieses Bild öffnet keinen Horizont, es entzieht ihn. Und genau darin liegt seine stille Überzeugungskraft.

Das erste, was wirkt, ist die Spannung zwischen Auflösung und Grenze. Oben breitet sich ein lichtdurchlässiger Himmel aus Gelb- und Weißtönen aus, durchzogen von feinen, fast atmenden Übergängen. Er wirkt nicht wie ein Himmel über einer Landschaft, sondern wie ein innerer Raum, ein Schwebezustand zwischen Erwachen und Erinnern. Darunter verdichtet sich das Blau, schwerer, körniger, widerständig. Quarzsand und Acrylpaste verleihen dieser Zone eine körperliche Präsenz, fast so, als müsse man sie ertasten, um sie zu begreifen. Es ist kein ruhiges Blau. Es ist ein gelebtes Blau, voller Brüche, Schichtungen und Widerstände.

Mitten in diesem Feld steht sie: die dünne, schwarze Vertikale. Sie ist weder dominant noch dekorativ. Sie markiert. Sie trennt. Sie verbindet. Wie ein Messstrich im Unendlichen zieht sie eine klare Linie durch das Unbestimmbare. Sie könnte Grenze sein oder Ausrichtung, Erinnerung oder Entscheidung. Gerade weil sie sich jeder Erklärung entzieht, wird sie zum stärksten Element des Bildes: ein stiller Akt von Klarheit inmitten des Offenen.

Der Titel verstärkt diese Wirkung. „Nirgendwo“ ist kein Mangel, sondern eine Befreiung von Koordinaten. Hier gibt es kein Oben und Unten im klassischen Sinn, kein Vorher und Nachher. Das Bild lädt dazu ein, den gewohnten Standpunkt aufzugeben und sich in einen Zustand des Nicht-Verortet-Seins fallen zu lassen. Wer hier verweilt, spürt: Dieses Nirgendwo ist kein Verlust, es ist ein Möglichkeitsraum.

„Der Himmel über nirgendwo“ überzeugt nicht durch Lautstärke oder Erklärung. Es überzeugt durch Zurückhaltung, Materialität und innere Spannung. Es ist ein Bild für Menschen, die nicht nach Antworten suchen, sondern nach Resonanz. Ein Bild, das nicht sagt, was ist, sondern erlaubt, etwas Eigenes darin zu finden.

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