Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
28. Dezember

Das war wohl die falsche Tür

Kalenderblatt vom 28. Dezember
„Das war wohl die falsche Tür“
„May be, that was the wrong door“
„Esta puerta estuvo la falsa aparentemente“

Acryl, Acrylpaste, Ölpastell auf Aquarellpapier ca. 21 x 15 cm

Dieses Bild ist ein stiller, kompromissloser Moment der Erkenntnis. „Das war wohl die falsche Tür“ erzählt nicht von einem banalen Irrtum, sondern von der existenziellen Erfahrung, eine Schwelle überschritten zu haben, hinter der sich nicht das Erwartete offenbart. Im Zentrum leuchtet ein gelblich-goldener Raum, roh umrandet, wie ein hastig freigelegtes Fenster im Mauerwerk der eigenen Geschichte. Dieses Licht ist kein sanftes Versprechen, sondern ein entlarvendes Aufscheinen,  zu hell, zu direkt, um bequem zu sein.

Die dunklen, fast aggressiv wirkenden Strukturen aus Schwarz, Grau und Weiß drücken von allen Seiten nach innen. Sie wirken wie Verdichtungen von Zweifel, Widerstand und innerer Schwere, als hätte sich das Außen gegen diesen einen Schritt verschworen. Die Tür – oder das, was wir dafür halten – ist nicht sauber definiert. Sie ist verzerrt, schief, unruhig. Nichts hier lädt zum Eintreten ein. Und doch ist man bereits hindurchgegangen.

Gerade darin liegt die emotionale Kraft des Bildes: Es zeigt nicht die Entscheidung, sondern den Moment danach. Den Augenblick, in dem klar wird, dass Hoffnung allein kein Kompass war. Dass Neugier, Mut oder Verlangen einen in einen Raum geführt haben, der sich nun als unvereinbar mit dem eigenen Inneren entpuppt. Das Gelb steht dabei nicht nur für Licht, sondern für Warnung, Alarm, nackte Wahrheit. Es ist die Farbe der Erkenntnis, die sich nicht mehr zurücknehmen lässt.

Die groben Spachtelspuren und das expressive Überlagern der Materialien verstärken diesen Eindruck. Hier wurde nichts geschönt, nichts geglättet. Das Bild atmet Widerstand. Es verweigert Harmonie und zwingt den Betrachtenden, die eigene Beziehung zu Fehlentscheidungen zu reflektieren. Wie oft erkennen wir erst im Nachhinein, dass wir nicht an der falschen Stelle gezögert, sondern an der falschen Stelle vertraut haben?

Und doch ist dieses Werk nicht hoffnungslos. Denn eine Tür – selbst die falsche – ist immer ein Übergang. Wer erkennt, dass es die falsche war, ist bereits einen Schritt weiter als zuvor. Dieses Bild würdigt genau diesen Schritt: den schmerzhaften, ehrlichen, unbequemen Moment der Selbsterkenntnis. Es ist ein Bild für Menschen, die den Mut haben, sich einzugestehen, dass Irrwege Teil von Wahrheit sind und dass jedes falsche Öffnen auch die Fähigkeit schärft, die nächste Tür bewusster zu wählen.

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Kalenderblatt
28. Dezember

Kalenderblatt zum 28. Dezember

Das Kalenderblatt zum 28. Dezember
„Süd-West-Passage“
„Southwest Passage“
„Pasaje del Suroeste“

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses Bild ist eine Erfahrung. Es spricht nicht über Orte, sondern über Zustände. Über das leise, oft übersehene Geschehen zwischen zwei inneren Koordinaten. Die Süd-West-Passage öffnet einen Raum, in dem Bewegung nicht vorwärtsdrängt, sondern sich sammelt, klärt und ausrichtet.

Die Farbflächen wirken bewusst gesetzt und zugleich durchlässig. Gelb erscheint nicht als Sonne, sondern als Bewusstsein, als ein Impuls von Präsenz, der nicht blendet, sondern trägt. Darunter breitet sich das tiefe Blau wie ein ruhendes Feld aus, nicht als Wasser, nicht als Himmel, sondern als Substanz von Vertrauen. Dazwischen verläuft eine Linie, kaum mehr als eine Entscheidung. Eine Grenze, die nicht trennt, sondern ordnet.

Was hier geschieht, ist eine Passage im eigentlichen Sinn: ein Übergang ohne Eile, eine Bewegung, die nicht auf Ankunft aus ist. Das kleine, dunkle Zeichen – kaum benennbar – wirkt wie ein Gedanke, der sich löst, oder wie eine innere Instanz, die Kurs hält, ohne Ziel zu verlangen. Es geht nicht um Richtung, sondern um Haltung.

Die Süd-West-Passage steht sinnbildlich für einen Moment, in dem das Alte bereits hinter uns liegt, das Neue aber noch keinen Namen hat. Ein Raum der Reifung. Ein Zustand, in dem Klarheit nicht durch Analyse entsteht, sondern durch Stille. Das Bild fordert nichts, es erklärt nichts, es erlaubt. Es erlaubt, sich für einen Augenblick in dieses Gleichgewicht zu stellen, in dem innere Weite und äußere Ruhe übereinkommen.

So wird das Bild zu einem stillen Versprechen: Es gibt Übergänge, die tragen. Und es gibt Passagen, die man nicht durchquert, sondern in denen man sich selbst begegnet.

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