Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
2. März

Die Geschmackselite hat zugeschlagen

Kalenderblatt vom 2. März
„Die Geschmackselite hat zugeschlagen“
„The elite of  tastefulness has hit“
„La élite del buen gusto ha dado en el blanco“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Die Geschmackselite hat zugeschlagen“  ist ein Kommentar. Ein visueller Schlagabtausch zwischen Oberfläche und Aussage, zwischen Ästhetik und Ironie. Auf den ersten Blick begegnet uns eine vibrierende, fast majestätische violette Fläche, rau, geschichtet, lebendig. Sie wirkt wie ein geadelter Hintergrund, würdevoll, kulturell aufgeladen, beinahe sakral. Und genau hier beginnt das Spiel.

In dieses Feld aus Würde und Tiefe schlagen geometrische Fragmente ein: ein scharf gesetztes Gelb, ein selbstbewusstes Rot, ein asketisches Weiß, ein auftrumpfendes Orange. Sie stehen nicht harmonisch nebeneinander, sie behaupten sich. Jede Form ist eine Entscheidung. Jede Farbe ein Statement. Nichts fließt, nichts ordnet sich unter. Es ist, als hätten sich hier ästhetische Machtansprüche materialisiert.

Der Titel setzt den Ton: „Die Geschmackselite hat zugeschlagen.“ Das klingt nach Urteil. Nach Selektion. Nach einem unsichtbaren Gremium, das definiert, was gilt  und was nicht. Doch das Bild selbst verweigert sich dieser Hierarchie. Es wirkt wie eine ironische Demontage genau jener Instanz, die vorgibt, über Geschmack zu verfügen. Die geometrischen Elemente scheinen zufällig  und sind doch präzise gesetzt. Sie wirken spontan und sind doch komponiert. Genau darin liegt die Provokation: Wer entscheidet hier eigentlich über Qualität?

Das weiße Querformat durchschneidet die Komposition wie ein Balken, vielleicht eine Barriere, vielleicht ein Maßstab. Das aufragende Gelb behauptet sich wie eine Säule. Das rote Element wirkt wie ein Ausrufungszeichen. Und das Dreieck – spitz, fordernd – bringt Bewegung ins Gefüge. Alles steht in Spannung zueinander. Kein Element dominiert  und genau das ist die Botschaft.

Die Materialität verstärkt diesen Diskurs. Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten – das ist keine glatte, gefällige Oberfläche. Das ist Widerstand. Struktur. Körper. Die Textur des Violetts erzählt von Überlagerung, von Geschichte, von Tiefe. Darüber: klare Kanten, fast plakativ. Intuition trifft auf Kalkül. Emotion auf Konzept.

Dieses Werk ist kein dekoratives Statement. Es ist eine Haltung. Es fragt nicht, ob es gefällt. Es fragt, wer zu urteilen glaubt. Und es konfrontiert uns mit einer unbequemen Wahrheit: Geschmack ist Macht. Und Macht wird inszeniert.

Doch hier wird sie entlarvt. Mit Farbe. Mit Form. Mit Ironie.

„Die Geschmackselite hat zugeschlagen“ ist ein subtiles Manifest gegen das Diktat des Gefallens. Es ist eine Einladung, sich vom Urteil zu befreien – und die eigene Wahrnehmung zur Instanz zu machen.

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Kalenderblatt
2. März

Es wird Frühling ;-)

Das Kalenderblatt zum 2. März
„Es wird Frühling ;-)“
„Spring is coming ;-)“
„Ya viene la primavera ;-)“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Dieses ist ein Aufbruch, eine Verheißung, ein vibrierender Moment zwischen Erinnerung und Neubeginn. „Es wird Frühling 😉“ ist hier nicht bloß eine Jahreszeit, sondern eine innere Bewegung. Ein Zustand. Eine Entscheidung.

Aus dem unteren Bildrand wächst eine zarte, doch entschlossene Vegetation empor. Feine, aufstrebende Halme tragen rote und violette Blüten, die wie kleine Flammen wirken, Lebenszeichen, die sich dem Licht entgegenstrecken. Das Grün ist nicht satt und schwer, sondern lebendig, beinahe tastend. Es ist das Grün des Anfangs, das Grün des ersten Mutes nach einem langen Schweigen.

Der Hintergrund öffnet sich in einem fließenden Übergang aus Violett, Gelb und hellem Türkis. Keine harte Horizontlinie begrenzt die Szene. Stattdessen durchzieht ein leuchtender Gelbstrom die Bildmitte, wie eine energetische Achse, wie ein unsichtbarer Sonnenkanal, der Himmel und Erde verbindet. Hier geschieht Transformation. Hier wird aus Starre Bewegung. Aus Winter wird Möglichkeit.

Im oberen rechten Bildraum schwebt eine große, warm leuchtende Sphäre. Sie wirkt wie eine Sonne und doch ist sie mehr. Ihre Oberfläche trägt Risse, Erdstrukturen, Spuren von Hitze und Wandlung. Es ist eine kosmische Gebärmutter, ein Planet im Stadium innerer Glut. Sie steht nicht fern und kühl am Himmel, sondern präsent und kraftvoll im Raum. Sie erinnert daran, dass jeder Frühling ein schöpferischer Akt ist, ein Akt, der aus Druck, Dunkelheit und Reifung entsteht.

Links darunter erscheinen vier kleinere grüne Kugeln, fast wie Keimzellen oder Gedankenformen. Sie scheinen sich zu sammeln, zu formieren, vielleicht aufzusteigen. Ihre Kreisform wiederholt das Motiv der großen Sphäre, nur jünger, frischer, noch im Werden. Hier zeigt sich das Prinzip der Wiederholung im Wachstum: Das Große beginnt im Kleinen. Das Kosmische spiegelt sich im Samenkorn.

Die Materialität des Werkes, Aquarell auf Bütten, ergänzt durch Acrylpaste, verstärkt diese Spannung zwischen Zartheit und Struktur. Die fließenden Farbverläufe erzählen von Sensibilität, von Offenheit, während die pastosen Elemente Substanz und Erdung einbringen. Feinheit trifft Kraft. Transparenz trifft Körper. Genau in diesem Zusammenspiel entsteht Frühling.

Und dann dieser kleine Zusatz im Titel: „;-)“. Ein Augenzwinkern. Eine subtile Ironie. Als würde das Bild sagen: Nimm das alles nicht zu schwer, das Leben weiß selbst, wann es blühen will. Frühling ist kein Kalenderdatum, sondern ein innerer Entschluss. Eine sanfte Provokation gegen Resignation.

Dieses Werk spricht von Regeneration, von innerem Erwachen, von der zyklischen Gewissheit, dass nach jeder Verdichtung wieder Weite folgt. Es ist kein lauter Triumph. Es ist ein leuchtendes Versprechen. Ein Flüstern, das sagt: Es beginnt schon. Jetzt.

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