Archiv der Kategorie: Remastert

Kalenderblatt
10. April

Zauberstab der Himmelsküche

Das Kalenderblatt zum 10. April
„Zauberstab der Himmelsküche“
„Magic wand of the celestial kittchen“
„Varita mágica de la cocina celestial“

Pastellkreide, Aquarell, Glitter und Acrylpaste
auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Hoch oben, jenseits der sichtbaren Wolken, dort, wo Farben noch atmen und Klänge leuchten, lag die geheimnisvolle Himmelsküche. Sie war kein Ort aus Stein oder Holz, sondern ein Raum aus fließendem Licht, in dem goldene Nebel auf violetten Wellen tanzten und die Luft nach ungesagten Wünschen duftete.

In dieser Küche wirkte einst eine alte Meisterin, die man nur die Hüterin der Wandlungen nannte. Niemand wusste, wie alt sie war, denn ihr Gesicht war zugleich jung wie der erste Morgen und weise wie das Ende aller Zeiten. In ihren Händen hielt sie stets ein besonderes Werkzeug: den Zauberstab der Himmelsküche.

Dieser Stab war kein gewöhnlicher Stab. Er glühte in einem tiefen, lebendigen Rot, als wäre er aus dem Herz eines Sterns geboren, und feine, funkelnde Linien zogen sich wie flüsternde Geheimnisse entlang seiner Mitte. Wann immer die Hüterin ihn bewegte, begannen die Farben der Welt zu antworten.

Eines Tages geschah etwas, das selbst die Hüterin nicht erwartet hatte.

Ein junger Wanderer, verloren zwischen seinen eigenen Fragen, gelangte an den Rand dieser unsichtbaren Sphäre. Sein Herz war schwer, denn er wusste nicht mehr, wohin sein Weg führen sollte. Alles in ihm war verwirrt, zerrissen, wie ein Himmel voller widersprüchlicher Farben.

Da öffnete sich vor ihm ein schimmernder Spalt, ein schmaler, leuchtender Riss, der sich wie ein roter Faden durch das Nichts zog. Zögernd trat er hindurch und fand sich in der Himmelsküche wieder.

Die Hüterin sah ihn an, lange und still, als würde sie nicht nur ihn betrachten, sondern die unsichtbaren Geschichten, die in ihm lebten.

„Warum bist du hier?“ fragte sie schließlich.

Der Wanderer antwortete: „Ich habe mich verloren.“

Da lächelte die Hüterin sanft und hob den Zauberstab.

Mit einer einzigen, langsamen Bewegung zog sie den Stab durch die Luft, genau so, wie der rote Strich durch die Welt des Bildes zieht. Sofort begannen die Farben um sie herum zu wirbeln. Violett wurde zu Tiefe, Gold zu Erinnerung, und das Rot, das Rot wurde zu Wahrheit.

„Du hast dich nicht verloren“, sagte sie. „Du bist nur auseinandergefallen.“

Der Wanderer verstand nicht.

Also führte sie ihn näher an den Zauberstab heran.

„Siehst du diese Linie?“ fragte sie.

Er nickte.

Das ist der Schnitt zwischen dem, was du warst, und dem, was du werden kannst. Viele fürchten diesen Schnitt. Doch ohne ihn kann nichts verwandelt werden.“

Langsam streckte sie ihm den Stab entgegen.

„Berühre ihn.“

Zögernd legte der Wanderer seine Hand an das glühende Licht. In diesem Moment durchströmte ihn eine Wärme, die nicht brannte, sondern ordnete, verband, erinnerte. All das Zerstreute in ihm begann sich zu sammeln. Die Stimmen wurden leiser. Die Farben klarer.

Er fiel auf die Knie, nicht aus Schwäche, sondern weil etwas in ihm wieder ganz geworden war.

Die Hüterin nickte zufrieden.

„Die Himmelsküche“, sagte sie, „ist kein Ort, den man besucht. Sie ist ein Zustand, den man betritt, wenn man bereit ist, sich neu zusammensetzen zu lassen.“

Als der Wanderer wieder aufblickte, war sie verschwunden.

Nur der Zauberstab blieb noch einen Augenblick sichtbar, als leuchtende, rote Spur durch den Raum der Möglichkeiten.

Dann löste auch er sich auf.

Und der Wanderer?

Er kehrte zurück in die Welt.

Doch von diesem Tag an trug er etwas in sich, das niemand sehen konnte, aber alles veränderte:

die stille Gewissheit, dass selbst die tiefste Zerrissenheit nur der Anfang einer neuen Schöpfung ist.

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Kalenderblatt
10. April

Im Wirrwarr der Zeiten

Das Kalenderblatt zum 10. April
„Im Wirrwarr der Zeiten“
„In the chaos of times“
„En el caos de los tiempos“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Zwischen den Schichten der Zeit, dort, wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen wie Farben auf nassem Papier, existierte einst ein Ort, den niemand mit gewöhnlichen Augen sehen konnte. Er war kein Land und keine Welt, sondern ein lebendiges Gewebe aus Erinnerungen, Möglichkeiten und vergessenen Träumen.

Man nannte ihn das Wirrwarr der Zeiten.

In diesem Geflecht wanderte eine Gestalt, weder jung noch alt, weder Mann noch Frau, getragen von einer leisen Sehnsucht. Sie wusste nicht, woher sie kam, doch sie spürte: Etwas in ihr suchte nach Ordnung im Chaos, nach einem Klang, der alle Brüche verbindet.

Über ihr glühten Sonnen, mehrere zugleich, als hätten sich verschiedene Himmel übereinandergelegt. Jede Sonne war ein anderes Versprechen, ein anderes Leben, ein anderer Weg, den sie hätte gehen können. Unter ihr flossen Ströme aus Farben, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie Wasser, Erinnerung oder Gefühl waren.

Plötzlich begann der Boden zu sprechen.

Nicht mit Worten, sondern mit Bildern. Fragmente erschienen, ein Lachen, das längst verklungen war, ein Abschied, der nie ganz verstanden wurde, ein Moment reiner Stille, in dem alles möglich gewesen wäre. Die Zeiten waren nicht getrennt, sie waren verwoben, und jede Entscheidung hatte Fäden in alle Richtungen gesponnen.

Die Gestalt blieb stehen.

Zum ersten Mal erkannte sie, dass das Chaos kein Fehler war.

Es war ein Muster.

Ein wildes, ungezähmtes, wunderschönes Muster, das sich nur dem erschloss, der bereit war, es nicht kontrollieren zu wollen. Die Farben begannen zu pulsieren, als hätten sie auf dieses Verständnis gewartet. Die Sonnen rückten näher, bis ihr Licht nicht mehr blendete, sondern wärmte.

Und dann geschah etwas Unerwartetes.

Die Gestalt streckte die Hand aus, nicht, um etwas zu ordnen, nicht, um zu greifen, sondern um zu fühlen. Und in diesem Moment verbanden sich die Fäden. Nicht zu einer geraden Linie, sondern zu einem lebendigen Netz, das trug, statt zu verwirren.

Das Wirrwarr löste sich nicht auf.

Es wurde lesbar.

Die Gestalt lächelte, denn sie verstand nun: Zeit ist kein Fluss, der vergeht, sie ist ein Raum, der sich öffnet. Und wer den Mut hat, sich darin zu verlieren, wird nicht untergehen, sondern sich selbst begegnen.

So ging sie weiter, nicht mehr suchend, sondern wissend, dass selbst im größten Durcheinander eine verborgene Ordnung pulsiert, die nur darauf wartet, erkannt zu werden.

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