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Kalenderblatt 28. Juni

Endlich Sommer?

Das Kalenderblatt zum 28. Juni
“Endlich Sommer?”
„Finally Summer?“
„¿Por fin verano?“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Ein Himmel, der fast alles verschluckt. Eine Sonne, die nur als Kreis angedeutet ist. Und darunter ein schmaler Streifen Leben, der sich mit erstaunlicher Hartnäckigkeit an den Rand der Welt klammert.

Der Sommer kommt selten mit Fanfaren. Meistens schleicht er sich an. Er steht nicht vor der Tür und kündigt sich an. Er sitzt längst im Garten, während wir noch darüber diskutieren, ob es wirklich warm genug ist. Menschen haben eine bemerkenswerte Begabung, auf den perfekten Moment zu warten und dabei den gegenwärtigen zu übersehen. Die Jahreszeiten kümmern sich herzlich wenig um solche Konzepte.

In diesem Bild breitet sich das Gelb aus wie eine alles durchdringende Gegenwart. Es ist nicht nur Licht. Es ist Fülle, Weite und Versprechen. Der große Kreis am oberen Rand wirkt wie eine Sonne, die sich noch nicht ganz entschieden hat, sichtbar zu werden. Als würde sie fragen: „Braucht ihr wirklich noch einen Beweis?“

Unten verdichtet sich das Leben zu einer wilden, farbigen Landschaft. Grün, Rot, Schwarz und Weiß drängen sich zusammen wie Erinnerungen an vergangene Frühlinge, an Regentage, an kalte Morgenstunden. Doch über allem liegt nun dieses überwältigende Gelb. Es nimmt den Dingen nicht ihre Eigenart. Es verbindet sie.

„Endlich Sommer?“ endet deshalb mit einem Fragezeichen. Denn vielleicht fragt das Bild gar nicht nach dem Wetter. Vielleicht fragt es nach unserer Bereitschaft, die Wärme anzunehmen, wenn sie da ist. Vielleicht geht es um jene seltenen Augenblicke, in denen das Leben nicht verbessert, erklärt oder geplant werden muss.

Vielleicht ist Sommer genau das: ein inneres Einverständnis mit dem Licht.

Und vielleicht war er längst angekommen, bevor wir es bemerkt haben.

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Kalenderblatt 28. Juni

Kalenderblatt 28. Juni

Das Kalenderblatt zum 28. Juni
„Als das Licht noch Sprache war“
„When Light Was Still Language“
„Cuando la luz aún era lenguaje“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Bevor Worte zu Wörtern wurden, bevor Gebete gesprochen, Gedichte geschrieben oder Theorien erfunden wurden, gab es vielleicht etwas anderes: Licht. Nicht Licht als physikalisches Phänomen, sondern Licht als unmittelbare Mitteilung. Als eine Sprache ohne Grammatik, ohne Missverständnisse, ohne die mühseligen Umwege menschlicher Erklärungen.

In diesem Bild scheint die Sonne nicht einfach zu leuchten. Sie spricht. Aus ihrem glühenden Zentrum strömen unzählige farbige Linien in den Raum, als wären sie Sätze einer uralten Botschaft. Gelb, Rot, Blau, Violett und Schwarz ziehen nicht geordnet nebeneinander her, sondern tanzen, zittern, überschneiden sich. Jede Linie wirkt wie ein Gedanke, der noch nicht zu einem Wort geworden ist. Wie eine Bedeutung, die sich nicht festlegen lassen will.

Vielleicht erzählt das Licht hier von einer Zeit, in der alles miteinander verbunden war. Einer Zeit, in der ein Baum die Berge verstand, das Meer die Sterne kannte und der Mensch noch nicht verlernt hatte, die Sprache des Lebendigen zu hören. Damals musste niemand erklären, was Liebe, Hoffnung oder Sehnsucht bedeuten. Sie waren sichtbar, spürbar und gegenwärtig wie Sonnenstrahlen auf der Haut.

Doch dann entstanden Wörter. Ein praktischer Fortschritt, gewiss. Menschen lieben es schließlich, alles zu benennen, zu katalogisieren und anschließend darüber zu streiten. Dabei ging etwas verloren. Die unmittelbare Erfahrung wurde durch Begriffe ersetzt. Das Licht wurde beschrieben, statt erlebt zu werden.

Und dennoch bleibt eine Erinnerung. Manchmal in einem Sonnenaufgang. Manchmal in einem Kunstwerk. Manchmal in einem Augenblick tiefer Stille. Dann scheint etwas durch die Ritzen unserer gewohnten Wahrnehmung hindurch und erinnert uns daran, dass hinter jeder Form, hinter jedem Gedanken und hinter jeder Geschichte eine ursprüngliche Sprache existiert, die nicht gesprochen, sondern empfangen wird.

Dieses Bild lädt dazu ein, für einen Moment nicht nach einer Bedeutung zu suchen. Es lädt dazu ein, einfach zu lauschen. Vielleicht ist das, was hier aus dem Zentrum strahlt, keine Farbe und keine Form. Vielleicht ist es eine Botschaft, die älter ist als jede Religion, älter als jede Kultur und älter als die Menschheit selbst.

Als das Licht noch Sprache war, verstand das Herz mehr als der Verstand. Und vielleicht hat es diese Fähigkeit nie ganz verloren.

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