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Kalenderblatt
13. Juni

Ein Bild von JUANLOBO am Morgen und der Kaffee wird sauer

Kalenderblatt vom 13. Juni
„Ein Bild von JUANLOBO am Morgen und der Kaffee wird sauer“
„A painting from JUANLOBO in the morning an the coffee becomes sour“
„Una pintura mañanera de JUANLOBO  y el café se agria“

Tusche auf Bambuspapier ca. 15 x 21 cm

Auf den ersten Blick wirkt dieses Werk beinahe heiter: eine strahlend gelbe Sonne schwebt über einer geschwungenen schwarzen Form, umgeben von scheinbar zufällig gesetzten Tuschepunkten. Doch der Titel lenkt den Blick sofort in eine andere Richtung. Hier geht es nicht um Harmonie, sondern um die Irritation des Gewohnten.

Die leuchtende gelbe Scheibe erinnert an einen Morgen, an Licht, an einen verheißungsvollen Beginn. Doch darunter zieht sich eine dunkle, schlangenartige Linie durch das Bild. Sie teilt den Raum, verbindet und trennt zugleich. Sie wirkt wie ein Fluss, ein Weg, ein Lächeln oder vielleicht ein Fragezeichen, das sich quer durch die Wirklichkeit zieht. Die schwarzen Punkte erscheinen wie Gedanken, Kaffeebohnen, Planetensysteme oder die Spuren eines unsteten Geistes, der sich weigert, in geordneten Bahnen zu laufen.

Der humorvolle Titel entfaltet dabei seine ganze Kraft. Wer morgens ein Bild von JUANLOBO betrachtet, verliert möglicherweise für einen Moment die Sicherheit seiner gewohnten Wahrnehmung. Die Welt bleibt dieselbe, doch plötzlich scheint etwas verrutscht zu sein. Der Kaffee schmeckt nicht mehr einfach nach Kaffee. Er wird sauer, weil das Bild eine Frage stellt, bevor der Tag Antworten liefern kann.

Die scheinbar einfache Komposition besitzt eine subtile philosophische Tiefe. Die gelbe Sonne könnte für Bewusstsein stehen, die schwarze Welle für das Leben selbst, unberechenbar, beweglich und niemals vollkommen gerade. Die verstreuten Punkte wirken wie Ereignisse, Erinnerungen und Möglichkeiten, die sich um diesen Strom des Lebens gruppieren. Nichts steht fest, nichts ist endgültig geordnet.

Das Bild spielt mit der feinen Grenze zwischen Ernst und Ironie. Es lädt den Betrachter ein zu schmunzeln und gleichzeitig nachzudenken. Vielleicht wird der Kaffee tatsächlich nicht sauer. Vielleicht verändert sich lediglich der Blick auf die Welt. Und manchmal genügt genau das, um einen gewöhnlichen Morgen in ein kleines Abenteuer des Bewusstseins zu verwandeln.

So wird dieses Werk zu einer augenzwinkernden Einladung: Traue nicht jedem Morgen. Traue nicht jedem Kaffee. Und vor allem, traue nicht der Vorstellung, dass ein Bild nur ein Bild sei.

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Kalenderblatt
12. Juni

Civitella Marittima

Das Kalenderblatt zum 12. Juni
„Civitella Marittima“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

In einer Nacht, die so dunkel war wie das unbeschriebene Ende einer alten Legende, lag hoch auf einem Hügel ein kleines Dorf aus Licht. Die Menschen nannten es Civitella Marittima, doch die Alten flüsterten einen anderen Namen: Die Stadt, die sich an ihre Träume erinnerte.

Von weitem sah sie aus wie eine schwebende Insel aus Gold und Feuer. Die Häuser drängten sich eng aneinander, als wollten sie sich gegenseitig vor den Geheimnissen der Nacht schützen. Über den Dächern glomm ein warmes Licht, das selbst dann nicht erlosch, wenn kein Mond am Himmel stand.

Eines Abends machte sich ein Wanderer auf den Weg dorthin. Er war viele Jahre durch die Welt gezogen und hatte Städte gesehen, die größer waren, Tempel, die prächtiger waren, und Paläste, die reicher glänzten. Doch nichts hatte sein Herz berührt. Man erzählte ihm, dass es in Civitella Marittima etwas gebe, das man nirgendwo sonst finden könne.

Als er den steilen Pfad hinaufstieg, bemerkte er etwas Seltsames. Mit jedem Schritt wurden die Geräusche der Welt leiser. Das Rauschen des Windes verstummte. Die Stimmen seiner Erinnerungen verloren ihre Macht. Selbst die Sorgen, die er so lange mit sich getragen hatte, fielen von ihm ab wie Staub von einem alten Mantel.

Oben angekommen, erwartete ihn kein Torwächter. Kein Schild. Keine Mauer. Stattdessen saß eine alte Frau auf einer Steinbank und blickte über das dunkle Land.

„Wonach suchst du?“, fragte sie.

Der Wanderer dachte lange nach. Schließlich antwortete er: „Ich suche den Ort, an dem ich endlich ankomme.“

Die Frau lächelte.

„Dann bist du noch nicht weit genug gegangen.“

Verwirrt blickte er sie an.

„Ich bin durch Länder gereist, über Berge und Meere.“

„Ja“, sagte sie. „Aber du bist noch nie den Weg nach innen gegangen.“

Daraufhin führte sie ihn durch die schmalen Gassen des Dorfes. Die Häuser leuchteten in warmen Gold-, Rot- und Bernsteintönen, als würden in ihren Mauern kleine Sonnen schlafen. Aus jedem Fenster schien ein anderes Licht. Manche strahlten Hoffnung aus, andere Erinnerung, wieder andere Mut.

„Jedes Haus“, erklärte die Frau, „gehört einem Traum, den ein Mensch einst aufgegeben hat. Wir bewahren sie hier auf, bis jemand bereit ist, sie wiederzufinden.“

Der Wanderer blieb vor einem kleinen Haus stehen, dessen Fenster heller leuchteten als alle anderen. Als er hineinsah, erkannte er etwas, das er längst verloren geglaubt hatte: den jungen Menschen, der er einst gewesen war. Voller Neugier. Voller Vertrauen. Voller Leben.

Tränen traten ihm in die Augen.

„Kann ich diesen Traum zurückbekommen?“, fragte er leise.

Die alte Frau nickte.

„Träume sterben nicht. Sie warten.“

In diesem Augenblick begann die ganze Stadt zu leuchten. Das goldene Licht floss über die Dächer und hinunter in die Dunkelheit der Welt. Der Wanderer verstand plötzlich, warum Civitella Marittima von weitem wie ein Feuer auf einem Berg aussah.

Es war kein Feuer aus Holz oder Flammen.

Es war das Licht all jener Menschen, die den Mut gefunden hatten, zu sich selbst zurückzukehren.

Und noch heute, wenn die Nacht besonders dunkel ist, erzählen sich die Menschen in den Tälern, dass hoch oben auf dem Hügel eine Stadt aus Licht schwebt. Wer ihren Ruf hört und ihm folgt, findet dort keinen Schatz aus Gold.

Er findet den vergessenen Teil seines eigenen Herzens.

Denn Civitella Marittima ist nicht nur ein Ort auf einer Landkarte. Sie ist die Erinnerung daran, dass in jedem Menschen ein Licht brennt, das selbst die tiefste Dunkelheit nicht auslöschen kann. Ein Licht, das wartet, entdeckt zu werden.

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