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Kalenderblatt
25. März

Gute Landung!

Das Kalenderblatt zum 25. März
„Gute Landung!“
„Safe landing!“
„¡Buen aterrizaje!“

Acryl, Goldkarton und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Der Himmel war an diesem Tag nicht blau. Er war violett, tief, durchzogen von Erinnerungen, wie ein Raum, in dem alles Geschehene noch leise nachklang. Niemand wusste genau, wann sich diese Farbe über die Welt gelegt hatte. Manche sagten, es sei in der Stunde geschehen, als die Menschen begannen, ihre alten Sicherheiten loszulassen. Andere behaupteten, es sei einfach immer schon so gewesen, nur hatte man es vorher nicht gesehen.

Hoch oben in diesem weiten, atmenden Violett schwebte eine Gestalt. Nicht ganz Mensch, nicht ganz Gedanke. Eher ein Wesen aus Erfahrung. Es hatte lange gebraucht, bis es gelernt hatte zu fallen, ohne zu kämpfen. Denn früher, ja früher war jeder Abstieg ein Sturz gewesen. Hart. Unkontrolliert. Voller Angst.

Doch heute war etwas anders.

Über ihm wölbte sich ein schimmerndes Dach aus Gold, durchzogen von sanften, rhythmischen Linien, als würde es atmen. Kein gewöhnlicher Fallschirm, vielmehr ein Feld aus Vertrauen, gewoben aus all den Momenten, in denen es nicht aufgegeben hatte. Aus jedem Zweifel, der durchlebt worden war. Aus jedem Schmerz, der nicht verdrängt, sondern verwandelt wurde.

Die Fäden, die ihn mit diesem goldenen Schirm verbanden, waren fein. Fast unsichtbar. Und doch waren sie stärker als alles, woran er sich früher geklammert hatte. Denn sie bestanden nicht aus Kontrolle. Sie bestanden aus Hingabe.

Langsam sank er.

Unter ihm breitete sich die Landschaft aus, rau, uneben, gezeichnet von Brüchen und Übergängen. Kein Ort, der Sicherheit versprach. Kein Ort, der sagte: „Hier ist alles leicht.“ Und doch spürte er etwas, das er lange nicht mehr gespürt hatte: Ruhe.

„Was, wenn ich falsch lande?“ hatte er sich früher gefragt.
„Was, wenn ich wieder falle?“

Doch diese Fragen waren leiser geworden. Nicht verschwunden – aber verwandelt. Jetzt klangen sie eher wie ein fernes Echo aus einer Zeit, in der er noch geglaubt hatte, alles selbst tragen zu müssen.

Der Wind strich durch das Gold über ihm und ließ es sanft schwingen. Keine plötzlichen Bewegungen. Keine Gewalt. Nur ein gleichmäßiges Gleiten, als würde die Welt selbst ihn empfangen wollen.

Und dann verstand er.

Es ging nie darum, den Fall zu vermeiden.
Es ging darum, anders zu fallen.

Mit jedem Meter, den er sich der Erde näherte, löste sich etwas in ihm. Alte Anspannung. Alte Geschichten. Alte Bilder davon, wie Dinge zu sein hatten. Was blieb, war ein stilles Wissen:

Er musste nicht perfekt landen. Er musste nur ankommen.

Seine Füße berührten schließlich den Boden. Kein Aufprall. Kein Riss. Nur ein sanftes Aufsetzen, wie ein Atemzug, der zu Ende geht.

Für einen Moment stand er still. Lauschte. Spürte.

Und dann, ganz leise, fast wie ein Flüstern aus dem Gold über ihm, hörte er die Worte:

„Gute Landung.“

Nicht als Bewertung.
Nicht als Lob.
Sondern als Anerkennung eines Weges, der nicht sichtbar war  und doch gegangen wurde.

Er blickte nach oben. Der goldene Schirm war noch da, schwebend, pulsierend, lebendig. Kein Werkzeug, das man ablegt. Sondern etwas, das bleibt. Etwas, das wächst.

Und in diesem Moment wusste er:

Die nächste Reise würde kommen.
Der nächste Sprung auch.

Doch jetzt – genau jetzt – war er angekommen.

Und das war genug.

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Kalenderblatt
24. März

Schweres Wasser nahe Japan

Kalenderblatt vom 24. März
„Schweres Wasser nahe Japan“
„Heavy Water near Japan“
„Agua pesada acerca Japón“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es begann mit einem Flüstern, das keiner hören wollte.
Nicht laut, nicht bedrohlich, eher wie ein ferner Atem über dem Meer, ein kaum wahrnehmbares Zittern in der Weite zwischen Himmel und Wasser. Die Menschen nannten es später „das schwere Wasser“, doch an jenem Morgen war es einfach nur Stille.

Der Himmel lag in zarten, beinahe entrückten Blautönen über der Landschaft, als hätte jemand ihn mit Erinnerungen statt mit Farbe gemalt. Darin schwebten gelbe Fragmente wie verlorene Gedanken, ungreifbar, flüchtig als wären sie die letzten Reste eines Traums, der sich nicht mehr festhalten ließ. Niemand wusste, ob es Wolken waren oder Zeichen.

Darunter jedoch war die Welt eine andere.

Das Land war dunkel geworden.
Nicht nur in der Farbe, sondern in seinem Wesen. Es sog das Licht auf, verschluckte es fast gierig, als hätte es etwas erlebt, das sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Und dort, wo einst Leben pulsierte, lag nun eine Schicht aus glühendem Rot, wie eine Erinnerung an Feuer, an Schmerz, an ein Ereignis, das sich in die Erde eingebrannt hatte.

Die Fischer, die noch hinausfuhren, sprachen nicht mehr viel.
Sie blickten auf das Wasser, das sich anders bewegte als früher, schwerer, dichter, als trüge es ein Geheimnis, das es nicht preisgeben wollte. Ihre Netze waren oft leer. Und wenn sie nicht leer waren, dann enthielten sie Dinge, die sie nicht verstanden.

„Das Meer erinnert sich“, sagte der Älteste im Dorf.
Und niemand widersprach ihm.

Eines Tages ging ein Kind an den Rand dieses Landes.
Es war nicht alt genug, um Angst zu kennen, und nicht alt genug, um die Geschichten vollständig zu begreifen. Es sah nur die Farben, das ruhige Blau, das zerbrechliche Gelb, das brennende Rot und das tiefe Schwarz. Für das Kind war es kein Ort der Katastrophe, sondern ein Ort der Fragen.

Es kniete sich nieder und legte die Hand auf die Erde.

Und für einen kurzen Moment – kaum länger als ein Herzschlag –hörte es das Flüstern wieder.

Nicht als Warnung.
Nicht als Drohung.

Sondern als Erinnerung daran, dass alles, was geschieht, Spuren hinterlässt, im Wasser, im Himmel, im Boden… und in uns.

Das schwere Wasser war nie nur im Meer.
Es war das Gewicht der Geschichten, die wir tragen.

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