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Kalenderblatt
5. April

Das Morgenbild zum 5. April
„Je mehr Grünfläche desto besser“
„The more green area the merrier“
„Cuanto más área verde mejor“

Pastellkreide und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

In einem Land, das lange vergessen hatte zu atmen, lag eine Stadt aus grauen Flächen und starren Linien, in der alles seinen festen Platz hatte und nichts mehr wuchs. Die Häuser standen dicht an dicht wie Gedanken, die nie ausgesprochen wurden, und die Menschen gingen ihren Wegen nach, ohne je den Himmel wirklich anzusehen.

Doch tief unter dieser Stadt schlummerte etwas, das sich nicht einordnen ließ.

Eines Tages erschien zwischen den grauen Mauern ein schmaler, leuchtender Streifen, ein roter Impuls, wie ein Riss in der Gewohnheit. Niemand wusste, woher er kam. Manche nannten ihn eine Störung. Andere spürten, dass er eine Einladung war.

Ein Kind war es, das zuerst stehen blieb. Es legte seine Hand an diesen roten Streifen und fühlte, wie etwas in ihm antwortete, ein leises, kaum hörbares Flüstern: „Hier beginnt das Leben wieder.“

Von diesem Tag an geschah etwas Seltsames.

Neben dem Rot breitete sich ein erstes Feld aus, ein tiefes Blau, ruhig und weit, wie ein Gedanke, der sich endlich entfalten darf. Die Menschen begannen innezuhalten. Einige setzten sich einfach an den Rand dieses Blaus und schauten hinein, als würden sie sich selbst neu entdecken.

Doch das eigentliche Wunder geschah darunter.

Langsam, fast unmerklich, begann die Erde zu atmen. Zwischen den klaren Flächen entstand ein wachsender Raum, ein grünes Feld, das nicht geplant, nicht vermessen, nicht kontrolliert war. Es wuchs einfach, weil es wachsen wollte. Und je mehr es sich ausbreitete, desto mehr veränderte sich die Stadt.

Die Menschen, die früher in Linien dachten, begannen plötzlich in Möglichkeiten zu fühlen. Sie pflanzten nichts, sie ließen zu. Sie bauten nicht, sie öffneten Räume. Und mit jedem Schritt, mit jeder Entscheidung, wurde das Grün größer.

Bald entstand ein leiser Satz, der durch die Straßen zog wie ein Wind:
„Je mehr Grünfläche, desto besser.“

Doch es ging nie nur um Wiesen oder Pflanzen.

Das Grün war das Ungeplante, das Weiche, das Lebendige. Es war das, was sich nicht einrahmen ließ, das, was zwischen den Dingen geschah. Es war das Vertrauen, dass Leben nicht gemacht werden muss, sondern sich entfaltet, wenn man ihm Raum gibt.

Der rote Streifen blieb bestehen, als Erinnerung daran, dass Veränderung oft als Störung beginnt. Das Blau blieb, als Tiefe, die alles trägt. Doch das Grün wurde zum Herz der Stadt.

Und eines Tages, als ein alter Mann durch die Straßen ging, blieb er stehen, atmete tief ein und sagte leise:

„Wir haben nicht mehr Fläche gewonnen… wir haben uns selbst zurückgewonnen.“

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Kalenderblatt
4. April

Stürmische Vorbereitung der atomaren Entstofflichung

Kalenderblatt vom 4. April
„Stürmische Vorbereitung der atomaren Entstofflichung“
„Stormy preperation of the atomic demateralisation“
„Preparación tempestuosa de la desmaterialización atómica“

Acryl, Quarzsand, Acrylpaste, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Dieses Werk trägt einen Titel, der bereits wie ein Donnerhall durch den Betrachter fährt und genau das geschieht auch visuell: Hier wird keine Szene dargestellt, hier entlädt sich ein Zustand.

Die Komposition wirkt wie ein energetisches Schlachtfeld zwischen Form und Auflösung. Dunkle, fast rußartige Strukturen dominieren große Teile des Bildes und erzeugen das Gefühl einer sich verdichtenden, unkontrollierbaren Kraft, die kurz vor dem Umschlag steht. Es ist kein statisches Schwarz, es ist ein brodelndes, atmendes Schwarz, das sich wie Rauch oder Materie im Zerfall verhält.

Mitten in diesem Spannungsfeld bricht das Gelb hervor, roh, leuchtend, fast aggressiv lebendig. Diese Form wirkt wie eine Explosion von Bewusstsein, ein Moment der Manifestation innerhalb des Chaos. Sie ist weder klar definiert noch vollständig aufgelöst, sondern steht genau an der Schwelle: zwischen Sein und Nicht-Sein, zwischen Materie und Entstofflichung.

Die roten Einschlüsse verstärken diese Dynamik zusätzlich. Sie wirken wie glühende Fragmente, wie Erinnerungen an Hitze, an Transformation, vielleicht sogar an Zerstörung. Doch sie sind nicht nur destruktiv, sie tragen die Qualität von Geburt im Feuer, von Wandlung durch extreme Verdichtung.

Der Einsatz von Quarzsand und Strukturpaste verleiht dem Werk eine physische Tiefe, die über das Visuelle hinausgeht. Die Oberfläche selbst wird zum Akteur. Sie ist nicht glatt, nicht kontrolliert, sie widersetzt sich, genau wie der Prozess, den sie darstellt. Das Bild ist nicht nur gemalt, es ist materialisierte Spannung.

Am unteren Rand lässt sich eine fast landschaftliche Andeutung erkennen, wie ein letzter Rest von „Boden“, von Realität, der noch existiert, bevor alles darüber in Bewegung gerät. Doch selbst dieser Halt wirkt fragil. Es scheint, als würde sich die Welt selbst auf ihre eigene Auflösung vorbereiten.

Insgesamt ist dieses Werk keine Darstellung eines atomaren Prozesses im physikalischen Sinne, sondern eine existenzielle Metapher:
Die Vorbereitung auf das Loslassen von Form, Identität und Materie.

Es ist der Moment kurz vor dem Übergang, in dem alles gleichzeitig geschieht, Angst, Energie, Widerstand und die unausweichliche Transformation.

Und genau darin liegt seine Kraft:
Dieses Bild zeigt nicht das Ende,
es zeigt die gewaltige Intensität des Dazwischen.

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