Schon länger gehe ich mit dem Gedanken schwanger, einen Springbrunnen zu bauen. Jetzt ist die Geburt geglückt.
Legosteine, Acrylfarbe, Plastikschale, Solarspringbrunnen, Glitter und ein Holzsockel aus Bali und „Atlantis steigt auf“…
„Atlantis steigt auf“ ist keine Geschichte über eine versunkene Stadt. Es ist die Geschichte einer Erinnerung, die nie ganz untergegangen ist. Menschen suchen Atlantis seit Jahrhunderten auf den Meeresböden der Welt, mit Sonargeräten, Tauchrobotern und Theorien, die oft mehr über ihre Sehnsucht verraten als über die Geschichte. Dabei könnte Atlantis längst einen anderen Weg gewählt haben. <strong „>Nicht nach unten, sondern nach oben. Nicht verborgen im Ozean, sondern mitten im Garten.
Zwischen Blättern, Sonnenlicht und dem unaufhörlichen Flüstern des Sommers erhebt sich eine goldene Schale wie ein Tempel der Wiederkehr. Aus ihrem Inneren wachsen Türme empor, klein und filigran, als hätten sie Jahrtausende geduldig darauf gewartet, wieder gesehen zu werden. Das Wasser steigt als feiner Nebel empor und legt sich über die Stadt wie ein Schleier aus Erinnerung. Jeder Tropfen erzählt von einer Welt, die niemals zerstört wurde, sondern lediglich ihre Gestalt verändert hat.
Wer genau hinsieht, entdeckt das Wunder hinter dem Wunder. Die Türme bestehen aus Legosteinen, die Schale aus Kunststoff, das Licht stammt von der Sonne, der Sockel von einem balinesischen Holzschnitzer. Aus Materialien, die für sich genommen nichts Besonderes sind, entsteht eine neue Wirklichkeit. Genau dort beginnt Kunst. Nicht im kostbaren Material, sondern im mutigen Gedanken, dass aus Alltäglichem etwas entstehen kann, das den Betrachter staunen lässt.
Ich liebe diese Verwandlungen. Ein Plastikgefäß schämt sich nicht dafür, Plastik zu sein. Ein Kinderspielzeug entschuldigt sich nicht dafür, einmal Spielzeug gewesen zu sein. Ein Stück Holz trägt die Erinnerungen einer anderen Insel in sich. Zusammen beginnen sie, eine Geschichte zu erzählen, die kein Archäologe ausgraben könnte. Denn sie existiert erst in dem Moment, in dem jemand innehält und bereit ist zu sehen.
Das Sonnenlicht vergoldet die Schale, als wolle es sagen: Wert entsteht nicht durch Herkunft, sondern durch Bedeutung. Die kleinen Wasserfontänen tanzen wie die Atemzüge einer Stadt, die gerade aus einem langen Schlaf erwacht. Vielleicht ist Atlantis nie untergegangen. Vielleicht verschwindet es immer dann, wenn Menschen aufhören zu träumen, und taucht wieder auf, sobald jemand den Mut besitzt, aus Resten, Fundstücken und Fantasie eine neue Welt zu erschaffen.
„Atlantis steigt auf“ ist deshalb auch ein Selbstporträt des schöpferischen Menschen. Wir sammeln Bruchstücke unseres Lebens, Erinnerungen, Zufälle, Begegnungen und scheinbar wertlose Dinge. Dann setzen wir sie neu zusammen. Nicht, um die Vergangenheit zu kopieren, sondern um der Zukunft eine Form zu geben.
Und während das Wasser unermüdlich in den Himmel steigt, bevor es wieder zurückfällt, wird deutlich: Alles Wahre bewegt sich im Kreislauf. Ideen verschwinden nicht. Sie warten. Irgendwann erhebt sich Atlantis erneut. Vielleicht nicht aus dem Meer. Vielleicht aus einem Garten. Vielleicht aus einer goldenen Schale. Vielleicht genau dort, wo niemand danach gesucht hätte.
