
Kalenderblatt vom 8. November
„Feuer auf dem Dach“
„Fire on the roof“
„Fuego al techo“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
Rot lodert auf, verdichtet sich, bricht durch dunkle Schichten. Gold schimmert zwischen den Farbspuren hervor. In „Feuer auf dem Dach“ scheint die Oberfläche selbst in Bewegung geraten zu sein. Überlagerungen, Kratzspuren und abrupte Übergänge lassen eine Welt entstehen, in der etwas aufbricht, dessen Ausgang noch offen ist.
Der goldene Kreis im linken Bildfeld setzt einen Gegenpol zum unruhigen Geschehen. Wie eine Sonne behauptet er seine Form zwischen Glut und Schatten. Er lässt sich als innere Mitte lesen: als etwas, das im Wandel Bestand hat und dessen Licht durch die umgebende Dunkelheit umso deutlicher hervortritt.
Vom unteren rechten Bildrand führt ein scharf geschnittener roter Keil ins Innere der Komposition. Seine klare Kontur trifft auf die raue, vielschichtige Malerei. Er wirkt wie ein gerichteter Impuls – ein Schnitt, ein Aufbegehren, vielleicht der Augenblick, in dem eine lange aufgestaute Kraft ihren Weg findet.
Die Spannung zwischen Rot, Schwarz und Gold trägt das Bild. Das Rot entfaltet Hitze und Dringlichkeit, die dunklen Partien geben Widerstand und Tiefe. Das Gold erscheint einmal als geschlossene Form, dann wieder als verstreuter Lichtschein. So bleibt offen, ob wir auf einen Brand blicken, auf seine Spuren oder auf etwas, das in diesem Feuer erst Gestalt annimmt.
Der Titel bringt eine alltägliche Redewendung ins Spiel: Es brennt. Etwas duldet keinen Aufschub mehr. Im Bild wird daraus eine innere Erfahrung. Was festgefügt schien, gerät in Bewegung. Zwischen Gefährdung und Aufbruch liegt jener ungewisse Moment, in dem Veränderung bereits begonnen hat.