Kalenderblatt
1. November

Lass die Toten ihre Toten ehren. Wenden wir uns dem Leben zu

Kalenderblatt vom 01. November

„Lass die Toten ihre Toten  ehren. Wenden wir uns dem Leben zu“
„Let the dead honor their dead. We turn towards the life“
„¡Déja los muertos homenajear a sus muertos.  Vamos a volvernos hacia la vida!“

Acrylpaste, Pigment, Acryl auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Wenn das Licht die Materie durchdringt

Es gibt Augenblicke, in denen sich etwas verändert, ohne dass wir bereits erkennen können, was im Entstehen begriffen ist. Ein solcher Augenblick scheint in diesem Bild gegenwärtig zu sein.

Aus einer Landschaft erdiger, beinahe verwitterter Strukturen bricht ein leuchtendes Gelb hervor. Es ist kein Licht, das die Dunkelheit bekämpft. Vielmehr durchdringt es die Materie, macht ihre Spuren sichtbar und lässt in ihr eine andere Wirklichkeit aufscheinen.

Die goldbraunen Flächen erzählen von Verdichtung, Vergänglichkeit und den Ablagerungen gelebter Zeit. Sie tragen die Erinnerung an das Gewordene in sich. Doch mitten durch diese Welt zieht sich eine lichte Bahn, als würde sich im Vertrauten plötzlich ein Zugang zum Unbekannten öffnen.

Im Zentrum begegnen wir einer kreisförmigen Gestalt, durchzogen von einer schwarzen Kreuzform. Horizontale und Vertikale treffen aufeinander. Die eine verweist auf die Welt der Erscheinungen, auf Zeit, Raum und menschliche Erfahrung. Die andere öffnet eine Dimension, die über das Sichtbare hinausreicht.

Ihr Schnittpunkt wird zum Ort einer möglichen Wandlung.

Das Kreuz erscheint hier nicht allein als religiöses Zeichen. Es wird zum Sinnbild einer Begegnung: Das Zeitliche berührt das Zeitlose, das Materielle begegnet dem Geistigen. Und dort, wo beide einander durchdringen, beginnt etwas Neues.

Bemerkenswert ist, dass dieses Geschehen nicht außerhalb der Materie stattfindet. Das Licht erscheint mitten in ihr. Es hebt die Gegensätze nicht einfach auf, sondern verwandelt ihre Beziehung zueinander.

Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Aussage dieses Werkes: Das Neue entsteht nicht erst dann, wenn das Alte verschwunden ist. Es beginnt in dem Augenblick, in dem wir das Vertraute mit einem anderen Bewusstsein wahrnehmen.

So wird das Bild zu einer stillen Einladung, die Gegenwart nicht länger als bloße Fortsetzung der Vergangenheit zu erleben, sondern als einen schöpferischen Raum, in dem sich das Leben immer wieder neu offenbaren kann.

Das Licht wartet nicht am Ende des Weges. Es ist bereits da, mitten in der Welt, mitten im Leben.

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