
Das Kalenderblatt zum 1. November
„Die Alchemie des Lichts im Schoß der Erde“
„The Alchemy of Light in the Womb of the Earth“
„La alquimia de la luz en el seno de la tierra“
Acryl, Sand und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 20 cm
Wenn das Unsichtbare beginnt, Gestalt anzunehmen
Es gibt einen Augenblick, in dem etwas bereits gegenwärtig ist, ohne schon eine erkennbare Gestalt zu besitzen. Ein Zustand zwischen Möglichkeit und Erscheinung, zwischen dem, was noch verborgen liegt, und dem, was sich der Welt offenbaren will.
In diesem Zwischenraum scheint sich das Bild zu bewegen.
Eine unruhige, von Blau, Schwarz und Weiß durchzogene Struktur umschließt eine leuchtende Verdichtung aus Gelb, Ocker, Gold und rötlichen Spuren. Die Farben drängen ineinander, überlagern sich, lösen ihre Grenzen auf. Was zunächst wie eine Landschaft aus Gestein und Licht erscheint, verliert bei längerem Betrachten seine räumliche Eindeutigkeit.
Ist es ein Blick in die Tiefe der Materie oder in die Weite eines noch ungeborenen Kosmos?
Die sandige, aufgeraute Oberfläche verleiht dem Geschehen eine beinahe körperliche Gegenwart. Hier ist nichts vollkommen ausgebildet, nichts endgültig entschieden. Die Materie scheint sich ihrer eigenen Möglichkeiten erst bewusst zu werden.
Im Zentrum sammelt sich eine Wärme, die nicht einfach von außen auf die Oberfläche fällt. Sie scheint aus dem Inneren der Farbschichten hervorzudringen. Das Leuchten besitzt keine feste Quelle. Es ist zugleich Bewegung, Verdichtung und Ausdehnung.
Vielleicht begegnen wir hier einem Geschehen, das sich unserem gewöhnlichen Verständnis von Zeit entzieht. Einem Zustand, in dem Werden und Vergehen noch nicht voneinander getrennt sind, in dem Auflösung bereits die Möglichkeit einer neuen Ordnung enthält.
Das Bild zeigt keine vollendete Schöpfung. Es lässt uns an ihrem Geheimnis teilhaben.
Und möglicherweise liegt darin seine eigentliche Aussage: Dass die sichtbare Welt nicht das Ende der Wirklichkeit ist, sondern nur ihre augenblickliche Erscheinungsform.
Hinter jeder Gestalt wartet eine weitere Möglichkeit. Hinter jeder Grenze beginnt ein unbekannter Raum.
Was wir sehen, ist vielleicht nur die Oberfläche dessen, was werden will.