Kalenderblatt
30. Oktober

Ich kann nicht zurück in die Wirklichkeit

Kalenderblatt vom 30. Oktober
„Ich kann nicht zurück in die Wirklichkeit“  rot

„I can’t return into reality“
„No puedo volver a la realidad“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es gibt Landschaften, die wir niemals betreten haben und die uns dennoch vertraut erscheinen. Landschaften, die nicht auf einer Landkarte zu finden sind, weil sie irgendwo zwischen Erinnerung, Empfindung und Vorstellung existieren.

In diesem Bild scheint sich eine solche Landschaft zu offenbaren.

Goldgelbe und ockerfarbene Schichten breiten sich über die Fläche aus, durchzogen von dunklen Spuren, Brüchen und Verdichtungen. Manches erinnert an verwittertes Gestein, an eine vom Licht durchglühte Erde, an ferne Horizonte. Doch kaum glaubt man, etwas erkannt zu haben, entzieht es sich wieder der Eindeutigkeit.

Die Farbe erzählt von Zeit. Von dem, was sich abgelagert hat, was überdeckt wurde und dennoch durch die Oberfläche hindurchscheint. Dunkle Zonen unterbrechen das Leuchten, ohne es auszulöschen. Im Gegenteil: Erst durch sie gewinnt das Licht seine eigentümliche Tiefe.

Es ist, als würde die Malerei etwas freilegen, das längst vorhanden war, aber bisher keine sichtbare Gestalt besaß.

Dabei bleibt offen, ob wir auf eine äußere Landschaft blicken oder in die Schichten unseres eigenen Erlebens eintauchen. Vielleicht ist diese Unterscheidung auch gar nicht entscheidend. Denn was wir sehen, ist niemals nur das, was vor unseren Augen liegt. Immer sehen unsere Erinnerungen, unsere Sehnsüchte und unsere Erfahrungen mit.

So entsteht aus Farbe und Struktur ein Raum der Begegnung. Nicht mit einer festgelegten Aussage, sondern mit den Möglichkeiten unserer eigenen Wahrnehmung.

Das Bild gibt keine Antworten. Es bringt etwas in uns zum Klingen.

Und vielleicht liegt gerade darin seine besondere Kraft: dass es uns an etwas erinnert, von dem wir nicht einmal wussten, dass wir es vergessen hatten.

Teile diesen Beitrag