
Kalenderblatt vom 22. Oktober
„Das Tor zur Unendlichkeit“
„The gateway to infinity“
„La puerta hacia infinitud“
Acryl, Acrylpaste, Bleistift, Pigment auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Ein Blau durchwandert den Bildraum. Es zieht seine Bahnen, verdichtet sich, kehrt um, umschließt und öffnet sich wieder. Nichts scheint endgültig festgelegt. Die Bewegung folgt einer inneren Gesetzmäßigkeit, die sich jeder eindeutigen Erklärung entzieht.
Inmitten dieser Bewegung erscheinen zwei leuchtende Formen. Gelb und Gold, eingefangen im Blau und doch von eigenständiger Gegenwart. Wie Erinnerungen an etwas Ursprüngliches, das sich der Benennung entzieht. Vielleicht sind es Lichtquellen, vielleicht Keime einer noch unbekannten Wirklichkeit.
Die feinen, unruhigen Bleistiftlinien setzen einen anderen Akzent. Sie durchkreuzen die farbige Ordnung, als wollten sie eine eigene Geschichte erzählen. Ihre scheinbare Zufälligkeit steht im Gegensatz zur kraftvollen Geschlossenheit der blauen Formen. Gerade aus dieser Begegnung entsteht eine eigentümliche Spannung: zwischen dem Gewachsenen und dem Gesetzten, dem Spontanen und dem Bewussten.
Das Bild lässt sich als Landschaft eines inneren Geschehens betrachten. Seine Formen sind weder eindeutig gegenständlich noch vollkommen abstrakt. Sie bewegen sich in jenem Zwischenraum, in dem Wahrnehmung zu Vorstellung wird und Vorstellung neue Wirklichkeiten hervorbringt.
Der Titel Das Tor zur Unendlichkeit eröffnet eine weitere Dimension. Er verweist nicht auf ein sichtbares Tor, sondern auf die Möglichkeit eines Übergangs. Vielleicht liegt die Schwelle gerade dort, wo unsere gewohnten Vorstellungen an ihre Grenzen gelangen.
So wird das Bild zu einem offenen Erfahrungsraum. Es behauptet keine Wahrheit, sondern lässt Möglichkeiten entstehen.
Die Unendlichkeit beginnt vielleicht nicht jenseits des Sichtbaren, sondern dort, wo wir aufhören, das Sichtbare für die ganze Wirklichkeit zu halten.