Kalenderblatt
19. Oktober

Gib mir mehr Himmel!

Kalenderblatt vom 19. Oktober
„Gib mir mehr Himmel!“

„Give me  more sky!“
„Dame más cielo!“

Acryl, Permanentschreiber, Acrylpaste, Dekokarton auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Das Blau scheint kein Ende zu nehmen. Es breitet sich aus, überlagert sich, verdichtet sich zu dunklen Zonen und öffnet sich unvermittelt in lichte Räume. Dazwischen stehen Gelb, Grün, Violett und erdige Rottöne. Sie setzen Grenzen, schaffen Widerstände, behaupten ihre eigene Wirklichkeit.

Und doch scheint alles in Bewegung.

Linien durchziehen die Farbflächen, als wollten sie etwas festhalten, das sich jeder Festlegung entzieht. Manche erinnern an architektonische Konstruktionen, andere an flüchtige Zeichen, an Spuren einer längst vergangenen Bewegung. Hier und da glaubt man Figuren, Landschaften oder rätselhafte Wesen zu erkennen. Doch kaum hat sich eine Vorstellung gebildet, löst sie sich wieder auf.

Das Bild bewegt sich an der Grenze zwischen Erkennen und Erfinden.

„Gib mir mehr Himmel!“ ist ein Ruf, vielleicht auch eine Forderung. Nicht unbedingt nach einem anderen Ort, sondern nach einer anderen Dimension des Erlebens. Nach Weite dort, wo Enge herrscht. Nach Offenheit dort, wo Gewohnheiten und Vorstellungen den Blick begrenzen.

Dabei ist dieser Himmel keineswegs unberührt oder grenzenlos. Er wird von Linien durchschnitten, von Formen bedrängt, von dunklen Flächen unterbrochen. Das Irdische bleibt gegenwärtig. Es widersetzt sich der Auflösung und gibt der Sehnsucht zugleich ihren Ausgangspunkt.

Gerade darin liegt die Spannung des Werkes: Die Weite entsteht nicht jenseits der Begrenzung, sondern in der Auseinandersetzung mit ihr.

Vielleicht ist der Himmel, nach dem hier gerufen wird, überhaupt kein Himmel im gewöhnlichen Sinne. Vielleicht bezeichnet er jenen inneren Raum, der sich öffnet, wenn das Vertraute seine Selbstverständlichkeit verliert und das noch Unbekannte für einen Augenblick sichtbar wird.

Das Bild gibt darauf keine Antwort.

Es lässt die Frage bestehen.

Und möglicherweise beginnt genau dort die Freiheit.

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