Kalenderblatt
14. Oktober

Lebensstreifen

Kalenderblatt vom 14. Oktober
„Lebensstreifen“

„Strips of life“
„Fajitas de la vida“

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Das Leben hinterlässt Spuren. Manche sind deutlich sichtbar, andere liegen verborgen unter den Schichten der Erinnerung. Sie überlagern sich, durchdringen einander, verschwinden und treten unvermittelt wieder hervor. Nichts bleibt unberührt von dem, was zuvor gewesen ist.

In „Lebensstreifen“ verdichten sich diese Erfahrungen zu einer vielschichtigen Bildlandschaft. Horizontale Farbbahnen durchziehen die Komposition, trennen und verbinden zugleich. Gelb, Schwarz, Purpur, Grün, Blau und ein beinahe glühendes Rot begegnen einander in wechselnden Spannungsverhältnissen. Mal behauptet sich eine Farbe mit ungestümer Kraft, mal scheint sie von einer anderen verschluckt zu werden. Dazwischen entstehen Übergänge, Brüche und unerwartete Momente der Stille.

Die ausgeprägten Strukturen der Acrylpaste verleihen der Oberfläche eine beinahe geologische Beschaffenheit. Farbe wird hier nicht nur aufgetragen, sondern geschichtet, verdrängt, aufgerissen und wieder zusammengeführt. Die Malerei bewahrt die Spuren ihrer eigenen Entstehung. Was sichtbar wird, ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem Zufall und Entscheidung, Widerstand und Hingabe aufeinandertreffen.

Die horizontalen Streifen lassen an Sedimente denken, an Ablagerungen gelebter Zeit. Doch anders als in einer geordneten Chronologie folgt hier nichts zwangsläufig aufeinander. Vergangenes kann gegenwärtig bleiben, längst Verschüttetes wieder aufbrechen. Die vermeintliche Ordnung der Farbbänder wird durch ihre innere Unruhe immer wieder infrage gestellt.

Gerade darin liegt eine wesentliche Spannung des Bildes: Zwischen Begrenzung und Bewegung, zwischen dem Bedürfnis nach Ordnung und der Unberechenbarkeit des Lebendigen.

„Lebensstreifen“ erzählt keine abgeschlossene Geschichte. Das Bild kennt weder einen eindeutigen Anfang noch ein endgültiges Ende. Seine Farbschichten lassen sich ebenso als Landschaften der Erinnerung wie als Zustände des Bewusstseins betrachten. Was zunächst wie eine äußere Struktur erscheint, verwandelt sich beim längeren Hinsehen in einen inneren Erfahrungsraum.

Vielleicht besteht das Leben gerade aus solchen Schichtungen: aus dem, was wir bewahren, aus dem, was wir überwinden, und aus dem, was trotz aller Veränderungen in uns weiterwirkt.

Nicht jede Spur lässt sich entschlüsseln. Nicht jede Verletzung bleibt sichtbar. Und nicht jede Veränderung bedeutet Verlust.

So wird „Lebensstreifen“ zu einer malerischen Auseinandersetzung mit der Zeit und der menschlichen Existenz. Das Werk verzichtet auf eindeutige Antworten. Es eröffnet vielmehr einen Raum, in dem sich persönliche Erfahrungen, Erinnerungen und Empfindungen mit der Eigenständigkeit der Farbe verbinden können.

Denn das Leben verläuft nicht in geraden Linien. Selbst dort, wo es sich in Streifen ordnet, bleibt es voller Widersprüche, Überraschungen und unvorhersehbarer Wendungen.

Was bleibt, ist nicht die Ordnung der Schichten, sondern die Lebendigkeit dessen, was zwischen ihnen geschieht.

Teile diesen Beitrag