
Kalenderblatt vom 11. Oktober
„Interkosmische Brücke“
„inter-cosmic bridge“
„Puente entre cosmico“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Zwischen den Räumen
Es gibt Augenblicke, in denen die vertraute Ordnung der Dinge ihre Selbstverständlichkeit verliert. Räume öffnen sich, Grenzen verschieben sich, und das scheinbar Unvereinbare tritt miteinander in Beziehung.
„Interkosmische Brücke“ bewegt sich in diesem Spannungsfeld zwischen Trennung und Verbindung, zwischen Aufbruch und Verankerung.
Aus einem tiefblauen, von Spuren und Verletzungen durchzogenen Bildraum brechen leuchtende Farbflächen hervor. Gelb, Rot, Purpur und Türkis begegnen einander in einer geometrischen Zuspitzung, deren Dynamik auf einen kaum bestimmbaren Punkt gerichtet ist. Die Formen scheinen aufeinander zuzustreben und zugleich auseinanderzudriften.
Eine schmale goldene Bahn durchzieht die Komposition. Sie verbindet nicht einfach zwei Seiten. Vielmehr markiert sie eine Schwelle, an der unterschiedliche Wirklichkeiten aufeinandertreffen. Was zunächst als Grenze erscheint, könnte ebenso der Beginn einer Verbindung sein.
Dabei stehen sich zwei unterschiedliche Bildsprachen gegenüber: die kontrollierte Klarheit der geometrischen Formen und die unberechenbare Lebendigkeit der malerischen Oberfläche. Ordnung und Bewegung, Beständigkeit und Veränderung geraten in einen Dialog, ohne ihre Gegensätzlichkeit aufzugeben.
Der Titel verweist auf eine Wirklichkeit jenseits des unmittelbar Sichtbaren. Das Kosmische wird hier nicht als astronomischer Raum verstanden, sondern als Vorstellung unterschiedlicher Daseinsebenen, die sich berühren können, ohne ineinander aufzugehen.
Vielleicht liegt gerade darin das Wesen einer Brücke: Sie hebt die Entfernung nicht auf. Sie macht es möglich, sie zu überwinden.
„Interkosmische Brücke“ erzählt nicht von einer vollendeten Einheit. Das Werk hält jenen fragilen Augenblick fest, in dem Verbindung überhaupt erst möglich wird.
Und vielleicht beginnt jede wirkliche Veränderung genau dort, wo wir bereit sind, die Grenze zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten zu überschreiten.