Kalenderblatt
11. Oktober

Kalenderblatt zum 11. Oktober

Das Kalenderblatt zum 11. Oktober
„Kalligraphie der Schöpfung“
„Calligraphy of Creation“
„Caligrafía de la Creación“

Aquarell auf Aquarellpapier ca 15 x 21 cm

Am Anfang steht nicht die Form. Am Anfang steht die Bewegung.

Ein Kreis, der sich nicht schließt. Eine Linie, die ihren eigenen Weg sucht. Ein leuchtendes Rot, das sich durch die Stille des weißen Raumes bewegt. Dazwischen Zeichen, die an eine vergessene Schrift erinnern, ohne jemals zu einer lesbaren Sprache zu werden.

In Kalligraphie der Schöpfung begegnen sich Geste und Stille, Verdichtung und Auflösung, Zufall und bewusste Setzung.

Die Komposition scheint einem inneren Rhythmus zu folgen. Ein weiter grauer Bogen umkreist eine goldene Mitte, ohne sie einzuschließen. Eine rote Bewegung durchzieht den unteren Bildraum, kraftvoll und zugleich von eigentümlicher Leichtigkeit. Ein dunkler, beinahe organischer Farbkörper setzt einen Gegenpol. Die kalligrafischen Spuren durchbrechen jede eindeutige Ordnung und verbinden die einzelnen Elemente zu einem offenen Gefüge.

Nichts ist abgeschlossen. Alles befindet sich im Werden.

Die Zeichen erinnern an Schrift, doch ihre Bedeutung entzieht sich der Übersetzung. Sie sprechen nicht durch Begriffe, sondern durch ihre Gegenwart. Sie sind Spuren einer Bewegung, deren Ursprung verborgen bleibt.

Vielleicht liegt gerade darin das Wesen der Schöpfung: nicht in einem einmaligen Anfang, sondern in einem unaufhörlichen Hervorbringen, Verändern und Vergehen.

Das Bild lässt Raum für die Vorstellung, dass jeder sichtbaren Form etwas Unsichtbares vorausgeht. Ein Impuls, eine Möglichkeit, eine noch unbestimmte Wirklichkeit.

Dabei wird die Leere des Papiers selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Komposition. Sie ist kein ungenutzter Raum, sondern jener offene Grund, aus dem die Formen hervortreten und in den sie jederzeit zurückkehren könnten.

Schöpfung erscheint hier nicht als vollendeter Zustand, sondern als lebendiger Prozess.

Kalligraphie der Schöpfung lädt dazu ein, diesen Prozess wahrzunehmen, ohne ihn endgültig entschlüsseln zu müssen.

Denn vielleicht beginnt das Wesentliche dort, wo die Sprache verstummt und das Sehen zu einer eigenen Form des Erkennens wird.

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