
Kalenderblatt vom 07. Oktober
„Die Kykladen sind nicht rot!“
„The Cyclades are not red!“
„¡Las Cícladas no son rojas!“
Acryl, Acrylpaste, Quarzsand auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm
Der Titel klingt wie ein Einspruch. Vielleicht gegen eine Erinnerung, vielleicht gegen jemanden, der ganz genau zu wissen glaubt, welche Farbe eine Landschaft hat.
Blau und Weiß geraten in Bewegung. Man denkt an Meer, an sonnenhelle Mauern, an Wind, der über die Inseln streicht. Doch die Farbe fügt sich keiner eindeutigen Ansicht. Sie verdichtet sich, bricht auf, lässt Tiefe entstehen. Ein goldener Schimmer taucht auf – wie Licht, das für einen Augenblick zwischen den Wellen stehen bleibt.
Acrylpaste und Quarzsand geben dieser Bewegung Widerstand. Die Oberfläche wird rau, das Licht findet Kanten und Vertiefungen. Die Landschaft bekommt etwas Körperliches: Kalkstein, Salz, trockene Erde – Spuren einer Inselwelt, die sich auch mit geschlossenen Augen erinnern lässt.
Und das Rot? Der Titel stellt es in den Raum. Plötzlich sucht der Blick danach, prüft das Blau, misstraut der eigenen Erwartung. Wie viel von dem, was wir sehen, haben wir bereits im Kopf mitgebracht?
Vielleicht beginnt dieses Bild genau dort: zwischen einer Landschaft und unserer Vorstellung von ihr. Zwischen dem Meer, das wir kennen, und einer Farbe, die uns noch überraschen kann.