
Kalenderblatt zum 17. September
„Sie kauft sich eine Treppe zum Himmel“
„She’s buying a stairway to heaven“
„Ella esta comprando una escalera al cielo“
Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Ein weiter blauer Raum. Eine rote Vertikale. Ein leuchtendes Feld. Wenige Stufen, die aufwärts führen und dennoch nirgendwo anzukommen scheinen.
Das Bild erzählt nicht von einem konkreten Ort. Es öffnet vielmehr einen Raum zwischen Wirklichkeit und Vorstellung, Erdenschwere und Transzendenz. Das vielschichtige Blau trägt Spuren, Überlagerungen und Verletzungen. Es wirkt wie eine Fläche, in der bereits etwas geschehen ist und in der zugleich noch alles möglich scheint.
In diese malerische Weite sind klare geometrische Zeichen gesetzt. Links erhebt sich eine schmale rote Linie aus der erdigen unteren Zone. Im Zentrum schwebt ein gelb-goldenes Rechteck. Davor erscheinen einige kleine Stufen. Rechts schneiden Strahlen aus Gold, Rot und Weiß in den blauen Raum.
Doch nichts verbindet sich zu einer eindeutigen Geschichte.
Ist das goldene Feld eine Tür? Ein Fenster? Eine Schwelle? Und wohin führt die Treppe, wenn sie bereits endet, bevor das vermeintliche Ziel erreicht ist?
Der Titel „Sie kauft sich eine Treppe zum Himmel“ führt eine leise Ironie in das Bild ein. Denn er verbindet eine der ältesten menschlichen Sehnsüchte, die Vorstellung von Aufstieg, Erlösung und einer anderen Wirklichkeit, mit einem sehr diesseitigen Vorgang: dem Kaufen.
Damit entsteht ein Widerspruch.
Wir können Wege kaufen, Reisen buchen, Dinge besitzen und uns mit Zeichen des Glücks umgeben. Aber lässt sich auch Erkenntnis erwerben? Lässt sich Sinn besitzen? Kann Transzendenz überhaupt verfügbar gemacht werden?
Vielleicht liegt darin das eigentliche Thema des Bildes. Die Treppe ist vorhanden, aber sie reicht nicht bis zum Himmel. Das leuchtende Feld verspricht einen Übergang, ohne ihn zu erklären. Und die Strahlen kommen aus einem Bereich außerhalb des sichtbaren Bildraums.
Der Himmel bleibt anwesend und zugleich unerreichbar.
So kann das Werk als Bild einer inneren Suche gelesen werden. Der Mensch bewegt sich auf etwas zu, das er nicht vollständig kennt. Er baut sich Stufen, schafft Ordnungen und sucht nach Zeichen. Doch irgendwann endet das Gemachte.
Was danach kommt, entzieht sich seiner Kontrolle.
Vielleicht ist deshalb gerade die unvollständige Treppe entscheidend: Sie führt nicht zum Himmel. Sie führt nur bis zu dem Punkt, an dem der eigene Weg beginnen muss.