Kalenderblatt
13. September

Kalenderblatt 13. September

Das Kalenderblatt zum 13. September

„Das geheime Gespräch der Farben im Morgenlicht:
wo das Rot von vergangenem Feuer träumt,
das Blau von stillen Wassern singt
und das Gelb den Atem der Sonne entfacht.“

“The secret conversation of colors in the morning light:
where red dreams of ancient fire,
blue sings of silent waters,
and yellow awakens the breath of the sun.”

“La conversación secreta de los colores en la luz de la mañana:
donde el rojo sueña con fuegos pasados,
el azul canta a las aguas silenciosas,
y el amarillo enciende el aliento del sol.”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Manche Bilder erzählen keine Geschichte, sie sind die Geschichte.

Dieses Bild beginnt im Gelb. Nicht in einem stillen, gleichmäßigen Gelb, sondern in einer leuchtenden, aufgerauten Fläche voller Spuren, Überlagerungen und kleiner Verletzungen. Die Farbe scheint Licht zu sein und zugleich Materie.

In diesem Gelb begegnen sich Rot und Blau.

Das Rot erscheint in einzelnen Feldern, verdichtet sich, bricht wieder auseinander und hinterlässt Spuren. Es trägt etwas von Glut in sich, von Erde und Erinnerung. Als wäre ein Feuer längst erloschen und dennoch nicht vollständig verschwunden.

Das Blau verhält sich anders. Es bleibt nicht an einem Ort. Es zieht durch das Bild, steigt von unten in die Fläche hinein, verdichtet sich und löst sich wieder auf. Man könnte darin Wasser erkennen, einen Weg, einen Schatten oder sogar eine Gestalt.

Doch sobald sich etwas benennen lässt, entzieht es sich wieder.

Die Farben bilden nichts ab. Sie beginnen selbst zu handeln.

Das Gelb öffnet den Raum.
Das Rot setzt Zeichen.
Das Blau durchquert ihn.

Über dieser bewegten Farbwelt liegt eine helle, beinahe ausgewaschene Zone. Sie wirkt stiller und ferner, wie ein Horizont, ein Himmel oder ein Raum jenseits des unmittelbar Sichtbaren. Zwischen beiden Bereichen verläuft keine klare Grenze. Sie berühren und durchdringen einander.

So entsteht tatsächlich ein geheimes Gespräch der Farben.

Aber es ist kein vollkommen harmonisches Gespräch. Die Farben widersprechen einander, überlagern sich, verschwinden und kehren zurück. Keine besitzt endgültig die Fläche. Jede trägt ihre eigene Bewegung und ihre eigene Erinnerung in das Bild.

Und vielleicht liegt genau darin das Morgenlicht.

Nicht als romantischer Sonnenaufgang. Nicht als einfache Metapher für Hoffnung und Neubeginn.

Sondern als jener besondere Augenblick, in dem etwas sichtbar wird, das zuvor schon vorhanden war.

Der neue Tag löscht die Nacht nicht aus.

Das Vergangene bleibt als Spur.

Vielleicht träumt deshalb das Rot tatsächlich von einem vergangenen Feuer. Vielleicht erinnert sich das Blau an stille Wasser. Und vielleicht ist das Gelb jene Kraft, die beides für einen kurzen Augenblick sichtbar werden lässt.

Doch das Bild verlangt keine eindeutige Deutung.

Es lässt seine Farben ihre eigene Erinnerung tragen.

Der Titel wird damit nicht zur Erklärung des Werkes, sondern zu einer poetischen Spur:

„Das geheime Gespräch der Farben im Morgenlicht:
wo das Rot von vergangenem Feuer träumt,
das Blau von stillen Wassern singt
und das Gelb den Atem der Sonne entfacht.“

Wer dieser Spur folgt, kann darin Landschaft finden, Erinnerung, einen inneren Zustand oder den Beginn eines neuen Tages. Ein anderer wird etwas völlig anderes sehen.

Und genau dort vollendet sich das Bild: nicht in dem, was es darstellen soll, sondern in dem, was zwischen Farbe, Erinnerung und Betrachter entsteht.

Vielleicht ist sein Morgen deshalb kein Anfang im gewöhnlichen Sinne.

Vielleicht ist er der Augenblick, in dem das Unsichtbare für einen Moment Farbe annimmt.

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