
Das Kalenderblatt zum 30. August
“Solo für 5”
“Solo for five”
“Solo para cinco”
Acryl, Sand und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Fünf Formen treten aus dem Blau hervor.
Jede besitzt ihre eigene Gestalt, ihre eigene Ausdehnung und ihr eigenes Gewicht. Manche breiten sich aus, andere ziehen sich zusammen. Sie stehen getrennt voneinander und bilden dennoch eine Gemeinschaft.
Das Bild lässt sich beinahe wie eine Komposition hören.
Gelb antwortet auf Blau. Fläche begegnet Linie. Die durch Sand und Acrylpaste entstandene Struktur gibt den Formen Körper und Widerstand. Sie liegen nicht einfach auf dem Grund, sondern behaupten ihren eigenen Raum.
Am unteren Bildrand erscheinen horizontale Linien in Rot, Blau und Grün.
Sie erinnern an ein Notensystem, das seine Noten verloren hat. Oder vielleicht sind die fünf gelben Formen selbst diese Noten, nur haben sie sich von den Linien gelöst und begonnen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Hier entsteht ein Wechselspiel zwischen Ordnung und Freiheit.
Die Linien wollen führen, gliedern, festlegen.
Die Formen dagegen scheinen sich dieser Ordnung zu entziehen.
Und doch entsteht gerade aus diesem Gegensatz ein Rhythmus.
Denn Rhythmus bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Er entsteht durch Wiederholung und Veränderung, Nähe und Abstand, Bewegung und Pause.
So wird auch der Titel „Solo für 5“ zum Teil der Komposition.
Ein Solo gehört eigentlich einem Einzelnen.
Hier sind es fünf.
Vielleicht spielt jede Form ihr eigenes Solo. Vielleicht hören die anderen zu. Vielleicht erklingen alle gleichzeitig und bilden etwas, das erst aus ihrer Verschiedenheit entstehen kann.
Fünf Einzelne werden nicht zu einem Ganzen, indem sie ihre Eigenart verlieren.
Sie bleiben fünf.
Fünf Formen.
Fünf Stimmen.
Fünf eigenständige Bewegungen innerhalb eines gemeinsamen Bildraums.
Darin liegt die stille musikalische Spannung des Bildes:
Gemeinsamkeit verlangt nicht nach Gleichheit.
Vielleicht ist das das eigentliche „Solo für 5“:
Jede Stimme darf für sich erklingen.
Und gerade dadurch entsteht Musik.