
Das Kalenderblatt zum 30. August
„Was vom Tag übrig blieb“
„What Remained of the Day“
„Lo que quedó del día“
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Ein Tag hinterlässt keine geschlossene Form.
Er besteht aus Spuren, Überlagerungen, Unterbrechungen und Bewegungen, die sich nicht mehr vollständig voneinander trennen lassen.
In diesem Bild gibt es keinen festen Horizont und keinen eindeutig bestimmbaren Raum. Dennoch entsteht Tiefe. Violett und Blau bilden dunkle Zonen, während Ocker und Gelb darüber hinwegziehen, sich verdichten und wieder auflösen.
Dazwischen brechen Weiß und helles Gelb hervor.
Das Zentrum scheint sich zu öffnen.
Doch diese Öffnung führt nirgendwohin.
Rote Spuren durchkreuzen das Licht. Dunkle Linien und Flecken unterbrechen die helleren Flächen. Jede Farbe scheint auf etwas zu reagieren, das bereits vor ihr vorhanden war.
So entsteht das Bild nicht aus einzelnen Formen, sondern aus Schichten von Zeit.
Etwas wurde gesetzt.
Etwas anderes darübergelegt.
Etwas blieb sichtbar.
Anderes verschwand.
Und manches taucht nur noch als Spur wieder auf.
Die Acrylpaste verstärkt diesen Vorgang. Sie macht die Vergangenheit des Malens körperlich. Erhebungen und Verdichtungen zeigen, dass die Fläche nicht in einem einzigen Augenblick entstanden ist.
Das Bild besitzt ein Gedächtnis.
Vielleicht liegt darin die Verbindung zum ursprünglichen Arbeitstitel „Das Kalenderblatt zum 30. August“.
Ein Kalender ordnet die Zeit.
Ein Tag beginnt, dauert und endet.
Doch unsere Erfahrung gehorcht dieser Ordnung nicht. Was an einem Tag geschieht, lagert sich über Früheres, während längst Vergangenes plötzlich wieder in die Gegenwart hineinragt.
Der 30. August wäre dann weniger ein Datum als ein Schnitt durch verschiedene Zeitschichten.
Was bleibt am Ende eines solchen Tages?
Keine vollständige Geschichte.
Keine Chronologie.
Vielleicht nur Farbe, Bewegung, einzelne Lichtstellen und Spuren dessen, was sich nicht festhalten ließ.
Was vom Tag übrig blieb.