
Das Kalenderblatt zum 6. August
“Der Morgen nach dem Abend”
Zwischen dem Vergehen und dem Werden öffnet sich ein Raum, den keine Uhr messen kann. „Der Morgen nach dem Abend“ erzählt von jenem stillen Augenblick, in dem das Vergangene bereits losgelassen wurde und das Neue noch nicht ganz Gestalt angenommen hat.
Ein kreisförmiges Zentrum, zugleich Sonne, Mond oder inneres Licht, durchdringt horizontale Schichten aus Ocker, Goldgelb, Rot und dunklem Grün. Die Farbbänder wirken wie Sedimente der Zeit, übereinander gelagert, von Erinnerungen durchzogen und von Erfahrungen gezeichnet. Nichts erscheint zufällig. Jede Schicht trägt die Spur dessen, was ihr vorausging.
Die mit Acrylpaste aufgebaute Oberfläche verleiht dem Bild eine beinahe archäologische Präsenz. Licht scheint nicht auf der Fläche zu liegen, sondern aus ihr hervorzutreten. Das Goldgelb bildet dabei keinen bloßen Hintergrund, sondern wird zu einem Raum der Möglichkeit, aus dem sich der Kreis langsam erhebt, als würde Bewusstsein aus der Tiefe aufsteigen.
Der Titel öffnet eine paradoxe Perspektive. Jeder Morgen entsteht aus einem Abend. Jeder Neubeginn trägt die Erinnerung an das Ende in sich. So wird das Bild zu einer Meditation über Wandlung, Reifung und den verborgenen Rhythmus des Lebens. Es erzählt nicht vom Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit, sondern von ihrer gegenseitigen Bedingtheit.
Dieses Werk lädt dazu ein, den Übergängen des eigenen Lebens zu vertrauen. Denn oft beginnt das Wesentliche nicht im grellen Aufbruch, sondern in jenem stillen Moment danach, wenn die Nacht ihren letzten Schatten loslässt und das Licht seinen ersten Atemzug nimmt.