
Das Kalenderblatt zum 6. Juni
“Aufstieg aus den Schichten der Zeit”
“Rising from the Layers of Time”
“Ascenso desde las Capas del Tiempo”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Dieses Bild ist von großer Verdichtung. Es erzählt nicht von einem einzelnen Augenblick, sondern von einem langen Prozess des Werdens. Die übereinanderliegenden Farb- und Strukturfelder wirken wie archäologische Schichten eines inneren Kontinents, in denen Erinnerungen, Erfahrungen und Wandlungen gespeichert sind. Nichts erscheint hier glatt oder abgeschlossen. Alles trägt die Spuren dessen, was zuvor war.
Im oberen Bereich dominieren tiefe Rot-, Violett- und Erdtöne. Sie erinnern an die verborgenen Ebenen der Vergangenheit, an das, was im Dunkel der Zeit lagert und dennoch weiterwirkt. Die dichte Struktur wirkt wie ein Gedächtnisraum, in dem unzählige Geschichten eingeschrieben sind. Zwischen den schweren Farbmassen glimmen helle Akzente auf wie Fragmente verlorener Erinnerungen, die plötzlich wieder sichtbar werden.
Der horizontale Übergang in der Bildmitte markiert eine Schwelle. Hier begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart. Es ist der Moment des Wandels, an dem das Verborgene beginnt, an die Oberfläche zu treten. Die darunter liegenden helleren Farbflächen wirken lebendiger, bewegter und freier. Gelb, Weiß, Blau und Rot entfalten eine Dynamik, die an Wachstum, Entwicklung und Neubeginn erinnert. Es ist, als würde sich aus den sedimentierten Erfahrungen der Vergangenheit eine neue Wirklichkeit formen.
Besonders eindrucksvoll ist die Spannung zwischen Schwere und Leichtigkeit. Während die oberen Schichten von Verdichtung und Tiefe erzählen, strahlt der untere Bereich eine kraftvolle Aufbruchsstimmung aus. Dadurch entsteht der Eindruck eines inneren Aufstiegs, eines Hervortretens aus den Ablagerungen der Zeit in einen Raum neuer Möglichkeiten.
Das Bild macht sichtbar, dass Entwicklung nicht durch das Vergessen geschieht, sondern durch die Integration dessen, was war. Jede Schicht bleibt erhalten und bildet zugleich das Fundament für die nächste. Zeit erscheint hier nicht als lineare Bewegung, sondern als lebendiges Geflecht von Erfahrungen, aus dem immer wieder Neues geboren wird.
So wird „Aufstieg aus den Schichten der Zeit“ zu einer kraftvollen Metapher für menschliche Wandlung. Das Werk erinnert daran, dass selbst unter den schwersten Ablagerungen von Erinnerungen, Erfahrungen und gelebtem Leben eine schöpferische Kraft verborgen liegt, die darauf wartet, sich zu erheben. Der Aufstieg beginnt nicht außerhalb der Vergangenheit, sondern mitten in ihr. Dort, wo die Schichten der Zeit am dichtesten erscheinen, entsteht zugleich die Möglichkeit für neues Licht, neue Perspektiven und neues Leben.