
Das Kalenderblatt zum 5. Juni
“Wirf einen Blick in die Landschaft”
“Echa un vistazo al paisaje”
“Take a look at the landscape”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Dieses Bild fordert dazu auf, den Blick zu öffnen für jene Landschaften, die hinter den sichtbaren Formen liegen, für die Räume zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Wahrnehmung und innerem Erleben.
Im Zentrum ruht eine große, goldene Scheibe. Sie wirkt wie eine Sonne, ein Vollmond oder ein uraltes Symbol der Ganzheit. Ihre Präsenz ist still und zugleich machtvoll. Sie beherrscht das Bild nicht, sie sammelt es. Um sie herum entfaltet sich ein vibrierendes Geflecht aus Farben, Spuren, Schichtungen und Bewegungen. Violett, Blau, Rot, Orange und Gold begegnen sich wie verschiedene Stimmen einer Landschaft, die nicht geografisch, sondern seelisch verstanden werden will.
Die horizontale Lichtzone in der Mitte erinnert an einen Horizont, an den Augenblick zwischen Tag und Nacht, zwischen Ankunft und Aufbruch. Hier entsteht ein Raum der Möglichkeiten. Nichts ist festgelegt, nichts vollständig erklärt. Die Landschaft bleibt offen, sodass jeder Betrachter seine eigene Geschichte darin entdecken kann.
Besonders faszinierend ist das Zusammenspiel von Struktur und Licht. Die zahlreichen Linien und Überlagerungen wirken wie Wege, die gegangen wurden, wie Erfahrungen, die ihre Spuren hinterlassen haben. Gleichzeitig durchdringt das Licht jede Ebene des Bildes und verwandelt selbst die dunkelsten Bereiche in einen Teil des Ganzen. Die Landschaft erzählt davon, dass Licht nicht dort beginnt, wo Dunkelheit endet, sondern mitten in ihr entsteht.
Der goldene Kreis wird dabei zum Symbol eines inneren Zentrums. Er erinnert an jene Kraft, die in jedem Menschen vorhanden ist, unabhängig davon, wie chaotisch oder widersprüchlich die äußeren Umstände erscheinen mögen. Während die Farben in Bewegung sind, bleibt dieses Zentrum bestehen. Es ist der ruhende Pol inmitten der Veränderung.
„Wirf einen Blick in die Landschaft“ lädt deshalb zu einer besonderen Art des Sehens ein. Nicht zum schnellen Erfassen, sondern zum Verweilen. Nicht zur Analyse, sondern zur Begegnung. Wer diesem Bild Zeit schenkt, entdeckt vielleicht, dass die dargestellte Landschaft zugleich eine innere Landkarte ist, ein Ort, an dem Erfahrungen, Träume, Hoffnungen und Wandlungen miteinander verschmelzen.
So wird aus einem Blick in die Landschaft ein Blick in die eigene Tiefe. Und aus einer goldenen Scheibe am Horizont ein stilles Versprechen: Hinter jeder sichtbaren Welt wartet eine größere Wirklichkeit darauf, entdeckt zu werden.